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Vollständige Version anzeigen : Mit Winkel, Lot und Knotenschnur



Kater
15.03.2010, 15:06
Gestern Abend habe ich im ZDF die Doku "Superbauten" 1 "Der Kölner Dom" gesehen.
Eine 3/4 Stunde dauernde Reise vom 13. Jahrhundert bis heute.
Was könnte es hier interessantes für den an der Fm interessierten Menschen geben?

Man hat sich in dieser Doku bemüht zu zeigen, mit welchen Mitteln und Geräten die Baumeister und Steinmetze des Mittelalters arbeiteten.
Die Arbeit mit Winkel, Lot und Knotenschnur ( 13-Knoten-Seil )* konnte man an ein paar praktischen Beispielen mitverfolgen.
Auch über Steinsorten, und Mörtel erfährt man Einiges.
Für den Fm - Interessierten eine schöne Begegnung mit den freimaurerischen Wurzeln.

Kurz erwähnt wurde ein Projekt aus Frankreich.
Dort errichtet man mit den gleichen Möglichkeiten und Werkzeugen, die im Mittelalter zur Verfügung standen, eine Burg.**

Aber auch zur Lichtsymbolik gab es eine Stelle.
"Lichtsymbolik"
1500 qm Fenster stammen sogar noch aus dem Mittelalter
Insgesamt verfügt der Dom über 10000 qm Fensterfläche
Es gibt keine einzige Wandzone die unverglast ist.
Das gibt es in keiner andern gothischen Kathedrale auf der ganzen Welt

Im Streben nach Vollkommenheit hatte Meister Gerhard das gothische Konzept, eines Domes aus Licht, zur Perfektion getrieben - alle tragenden Wände im Dom sind auf das absolute Minimum reduziert Das ist für die damalige Zeit eine statische Meisterleistung
Wie genau Baumeister Gerhard 1248 den Grundriss vermessen hatte, davon zeugt ein Schauspiel, daß man 2 mal im Jahr im Kölner Dom bewundern kann -
allerdings nur wenn die Sonne scheint.
Zur Tag- und Nachtgleiche im Frühling und Herbst geht die Sonne exakt im Osten des Kölner Domes auf-
Ihre Strahlen fluten durch die Fenster des Chores in einer geraden Linie durch Altarraum und durch das Kirchenschiff."
Zitat aus der Sendung.


Die akribische Detektivarbeit des Kunstsammlers Sulpiz Boisserée ist ein anderer spannender Bericht aus der Dombaugeschichte.
Die Dombaumeisterin Frau Prof. Barbara Schock-Werner und der Historiker Prof. Stefan Weinfurter kommen auch zu Wort.

Wer diese Sendung gerne gesehen hätte, kann das immer noch tun.
In der ZDF Mediathek kann sich jeder die Doku anschauen, allerdings weiß ich nicht wie lange.
Dort gibt es weitere Filme zum Kölner Dom.
Die beschriebene Sendung :
Terra X
"Superbauten" 1 "Der Kölner Dom"


*
Zum Rechnen und der geometrischen - baulichen Verwendung des 13-Knoten - Seil findet man manch schöne Seite im Net z. B. wenn man unter den Begriffen
TURBA DELIRANTIUM Mathematik Rechenseil googelt.

**
Burg Guédelon
"Die Idee für das Projekt stammt von Michel Guyot.....
Rund 50 Handwerker arbeiten an der Burg. Sie hat wie ihre Vorbilder aus der Zeit der Ritter und Kreuzzüge vier Türme, eine Außenmauer, einen Burggraben und eine Zugbrücke. Die Mauer ist bis zu 2,5 Meter stark, der Hauptturm 30 Meter hoch.
Ein solches Gebäude ohne moderne Hilfsmittel zu bauen, ist knifflig. Ein wissenschaftlicher Beirat, derzeit besetzt mit einer Archäologin, einem Architektur- und einem Kunsthistoriker, begleitet den Burgenbau. Die Baupläne stammen von Jacques Moulin, Frankreichs oberstem Architekten für die Pflege historischer Monumente."

Beste Grüße
Kater

Bytewurm
15.03.2010, 17:16
Gestern Abend habe ich im ZDF die Doku "Superbauten" 1 "Der Kölner Dom" gesehen.

Wird am Freitag, 20.03.2010, ab 19 Uhr auf ZDF_neo wiederholt.

Kurt

Hans-Dieter Bertuch
15.03.2010, 17:31
Wie genau Baumeister Gerhard 1248 den Grundriss vermessen hatte, davon zeugt ein Schauspiel, daß man 2 mal im Jahr im Kölner Dom bewundern kann -
allerdings nur wenn die Sonne scheint.... richtig! Jeweils zur Tag-und Nachgleiche..

Eine sehr gute Sendung, welche ich gesehen und aufgezeichnet habe - damit ich sie - mit Genuß - öfter sehen kann ;)

hoketo
16.03.2010, 19:40
Wie genau Baumeister Gerhard 1248 den Grundriss vermessen hatte, davon zeugt ein Schauspiel, daß man 2 mal im Jahr im Kölner Dom bewundern kann -
allerdings nur wenn die Sonne scheint.
Zur Tag- und Nachtgleiche im Frühling und Herbst geht die Sonne exakt im Osten des Kölner Domes auf-
Ihre Strahlen fluten durch die Fenster des Chores in einer geraden Linie durch Altarraum und durch das Kirchenschiff."
Zitat aus der Sendung.
Ohne ketzerisch sein zu wollen: Das ist im Vergleich zu dem Problem der Statik eigentlich kein Problem. Das hat man Tausende von Jahren früher auch schon geschafft. Siehe z.B. Stonehenge und ähnliche Bauten.
Die Achse konnte an den Sonnenwendtagen vor Baubeginn exakt festgelegt werden und durch Markierungen fixiert werden.

Hans-Dieter Bertuch
16.03.2010, 23:10
Ohne ketzerisch sein zu wollen: Das ist im Vergleich zu dem Problem der Statik eigentlich kein Problem. Das hat man Tausende von Jahren früher auch schon geschafft. Siehe z.B. Stonehenge und ähnliche Bauten.
Die Achse konnte an den Sonnenwendtagen vor Baubeginn exakt festgelegt werden und durch Markierungen fixiert werden.... das ist wohl zu kurz gedacht! Hier ging es nicht (nur) um die Mittelachse, sondern die gesamte "Ausrichtung" dieses riesigen Bauwerkes.

P.S.: Wenn ich mir dagegen vorstelle, daß es in einem "modernen" Neubau - bei den heutigen Hilfsmitteln - kaum eine gerade Wand gibt, dann bewundere ich schon diese Bauwerke.

Resonator
17.03.2010, 14:46
... das ist wohl zu kurz gedacht! Hier ging es nicht (nur) um die Mittelachse, sondern die gesamte "Ausrichtung" dieses riesigen Bauwerkes.

Mehr als die Achse brauchen wir zu Beginn kaum!
Um diese herum orientiert sich doch das Bauwerk!



P.S.: Wenn ich mir dagegen vorstelle, daß es in einem "modernen" Neubau - bei den heutigen Hilfsmitteln - kaum eine gerade Wand gibt, dann bewundere ich schon diese Bauwerke.

Dafür haben wir in der heuten Zeit jedoch auch nur noch einen Bruchteil der am Bau beteiligten Menschen in Anzahl und einen Bruchteil der Gesamtbauzeit!
Darüber hinaus sind die Maßhaltigkeiten in solch alten Gemäuern ebenfalls eher gering!
Die Proportionen täuschen hier oftmals mehr Maßhaltigkeit vor als tatsächlich gegeben ist.
Am Ende eines Tragwerks wird der Schlussstein an die Gegebenheiten angepasst.

Dennoch eine Leistung welche hier nicht geschmälert werden soll, immer wieder überwältigende Bauwerke!

Gruß Andreas

Resonator
17.03.2010, 22:08
Den Film jetzt noch angeschaut!

Meine gesamte Achtung vor den Maurern des 19. Jahrhunderts, welche den im Steinmetzgrund des Mittelalters begonnen Bau doch noch vollendet haben.

Gruß Andreas

BigBalou
18.03.2010, 18:25
Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Die Griechen haben bereits beim Bau des Parthenon auf der Akropolis gezeigt, was Baukunst ist. Und an diesem Tempel ist keine gerade Linie! Mit Absicht: denn nur durch die Krümmung aller Linien entsteht für den davorstehenden Betrachter die Perfektion der Linien.

Seit 30 Jahren versuchen die Athener, dieses Bauwerk in Stand zu setzen. Obwohl es in nur 9 Jahren gebaut wurde. Man hat zum Beispiel festgestellt, dass man die 10-20 Tonnen schweren Rondelle der Säulen nicht einfach aufeinander stapeln kann. Für jedes Rondell gibt es nur einen Punkt am Tempel, wo es passt und sich in das Gesamtkunstwerk einfügt. Das gleiche gilt für die Tausenden von Steinen, die rundum das Dach tragen.

Es ist nicht die Baukunst, die mich persönlich in Erstaunen versetzt. Sondern, wie viele Wissenssteine in den Jahrtausenden verborgen liegen, die etwas über das Wesen und die Potenziale des Menschen aussagen können.

Resonator
18.03.2010, 20:14
Seit 30 Jahren versuchen die Athener, dieses Bauwerk in Stand zu setzen. Obwohl es in nur 9 Jahren gebaut wurde. Man hat zum Beispiel festgestellt, dass man die 10-20 Tonnen schweren Rondelle der Säulen nicht einfach aufeinander stapeln kann. Für jedes Rondell gibt es nur einen Punkt am Tempel, wo es passt und sich in das Gesamtkunstwerk einfügt. Das gleiche gilt für die Tausenden von Steinen, die rundum das Dach tragen.

Dito!



Es ist nicht die Baukunst, die mich persönlich in Erstaunen versetzt. Sondern, wie viele Wissenssteine in den Jahrtausenden verborgen liegen, die etwas über das Wesen und die Potenziale des Menschen aussagen können.

Diese Zeiten sind langsam rum, mit modernem Werkzeug werden solche Steine unentwegt produziert und ins Licht der Öffentlichkeit gestellt, diese vermeintlichen Kunstwerke der Moderne kann man heute an jeder besseren Wirtshausecke erblicken!
Zu dem lässt unsere Mediengesteurte Gesellschaft kaum etwas aus, um nicht noch das letzte Tempelstückchen irgendwo in der Welt ans Tageslicht zu fördern, da wird noch aus jedem Klohäuschen der Antike ein Tempel kreiert.

Gruß Andreas

BigBalou
18.03.2010, 20:41
Zu dem lässt unsere Mediengesteurte Gesellschaft kaum etwas aus, um nicht noch das letzte Tempelstückchen irgendwo in der Welt ans Tageslicht zu fördern, da wird noch aus jedem Klohäuschen der Antike ein Tempel kreiert.

Jeden Tag werden Unmengen gequirlt. Aber das Meiste ist nicht von Dauer. Deswegen haben die meisten Menschen immer noch nicht zum Wesentlichen gefunden. Nur wenige wenden sich vom Zirkus ab, finden zur Besinnung und fangen an, wieder zu lernen.

Grüße Bernd