Vollständige Version anzeigen : Schafe
BernhardL
04.01.2010, 08:43
Hätten die Verschwörungstheoretiker Recht, so würde ich die Wolfsseite suchen, weil es dann wenigstens den Nutzen hätte, an der Zucht der Schafherde zu profitieren. Da die Verschwörungstheoretiker wahrscheinlich aber im Unrecht sind, suche ich also in einer Welt voller Schafe so etwas wie eine schaffreie Zone.
Betrachte ich mir die vom Erfolgsdruck, aber auch von der eigenen Eitelkeit und dem Machthunger Getriebenen, sehe ich lediglich Schafe im Wolfspelz.
Echte Wölfe kenne ich nicht.
Sollte ich mich zwischen Wölfen und Schafen entscheiden müssen,
würde ich den Adler wählen.
Liebe Grüße,
Bernhard
Da die Verschwörungstheoretiker wahrscheinlich aber im Unrecht sind, suche ich also in einer Welt voller Schafe so etwas wie eine schaffreie Zone.
Lieber Hans,
Willkommen hier im Forum und auch von mir ein erfülltes 2010. :yes:
In der Tat dürfte es in einer Welt voller Schafe, wie sie schrieben, keine Wölfe geben. Allenfalls welche die sich für solche halten.
Es dürfte aber auch keine "schaffreie Zone" geben. ;)
Wohl aber ein Grüppchen Schafe die in gemeinsamem Nachdenken versuchen ihre Situation zu verstehen. Die nicht nur zur Mitte der Weide schauen und dümmlich nach Gras suchen, die durchaus mal ihren Blick nach "draussen" wenden und versuchen jenseits des Weidezauns blicken. Sie tun dies gemeinsam trotz aller "schafischer" Verschiedenheit. Egal ob mit oder ohne Hörner, graues, weises, schwarzes, rotes oder grünes Fell.
Sie respektieren einander und lassen dem anderen Schaf seine Meinung, versuchen nicht die ihrige mit wilden Kopfstößen durchzusetzen. :box:
Ein freundliches Määähh in die Runde...
sucher
Hans sucht das Glück
04.01.2010, 10:24
Zunächst einmal guten Tag und vielen Dank für Ihre und Ihrer Vorredner werte Beachtung :rolleyes:
Es kommt mir wegen Ihrer Reaktionen so vor, als hätte ich mit dem Begriff "Schaf" so etwas wie ein freimaurerisches Unwort in die Finger genommen. Hier noch einemal meine Definition:
"Die FM hat den Begriff des Profanen gewählt, ich bezeichne die Menschen, die alles glauben, wenn es nur oft genug wiederholt wird, Menschen, die glauben, sich glücklich konsumieren zu können, Menschen, die ihr eigenes kleines Weltbild als absolut ansehen, als Schafe."
Ist diese Beschreibung tatsächlich so weit von dem entfernt, was Sie mit dem Begriff des "Profanen" ausdrücken?
Geht es beim Behauungsprozess des eigenen Steines nicht genau darum, diese Untugenden gegen wirkliche Tugenden einzutauschen?
Wenn ja, dann sollte es in Logen zumindest "schafarme" Zonen geben, nicht wahr? ;-)
Dies entspricht übrigens durchaus dem Eindruck, den ich bei meinen Besuchen als Logengast gewonnen habe.
Sie schrieben: "In der Tat dürfte es in einer Welt voller Schafe, wie sie schrieben, keine Wölfe geben. Allenfalls welche die sich für solche halten."
Gemäß dieser Logik dürfte es in einer Welt der Profanen auch keine Freimaurer geben. Allenfalls solche, die sich dafür halten. Sehen Sie das wirklich so? :p
@ BernhardL
Sollte ich mich zwischen Schafen und Wölfen entscheiden müssen, würde ich den Menschen wählen. Schon allein aus alter Gewohnheit :-)
Viele Grüße,
Hans
Es kommt mir wegen Ihrer Reaktionen so vor, als hätte ich mit dem Begriff "Schaf" so etwas wie ein freimaurerisches Unwort in die Finger genommen.
Lieber Hans,
Ich denke nicht das sie da ein "Unwort" erwischt haben.
Keine der Reaktionen, auch meine nicht, hat das so empfunden oder geschrieben. Ich finde die Vorstellung das Treiben einer Gruppen Menschen oder der Menschheit, mit einer Schafherde zu vergleichen gar nicht so abwegig und als Sinnbild gut vergleichbar und keineswegs abwertend. Kommt gar in manchen Religionen vor. ;)
ich schrieb:
"In der Tat dürfte es in einer Welt voller Schafe, wie sie schrieben, keine Wölfe geben. Allenfalls welche die sich für solche halten."
Und damit bezog ich mich ziemlich direkt auf das Wort "voller"!! ;) Wenn eine Welt voller Schafe ist, passen da keine anderen Tiere mehr rein! Auch keine Wölfe! In einer Welt voller Schafe und Wölfe, dagegen schon. So einfach habe ich dabei gedacht. :yes:
Sie schreiben:
Gemäß dieser Logik dürfte es in einer Welt der Profanen auch keine Freimaurer geben. Allenfalls solche, die sich dafür halten. Sehen Sie das wirklich so?
Ja ! In der Gedankenwelt eines Profanen wird es so auch keine Freimaurer geben. Der Welt der Menschen aber, sind beide Teilmengen enthalten. Profane und Freimaurer!
Nun verstehen sie diese Überlegung bitte nicht als "Überheblichkeit" . Kein Freimaurer würde einen Profanen in irgendeiner Weise als niedriger oder eben nicht gleichrangig betrachten. Gerade das Verständnis der Gleichheit eines jeden Menschen sollte eine der Grundlagen freimaurerischen Denkens sein.
Mittlerweile denke ich, das wir dieses interessante Thema fast neu erstellen sollten. Es sprengt den Rahmen der ursprünglichen Frage etwas.
liebe grüße, sucher
Hans sucht das Glück
05.01.2010, 20:37
Hallo Sucher,
in Sachen Gleichheit interpretiere ich die Freimaurerei anders. Ich interpretiere den FM-Standpunkt zunächst einmal als Gleichheit unter Gleichen, womit die Brüder und nicht die Profanen gemeint sind.
Und in der zweiten Bedeutung ist mit Gleichheit sicher nicht gleich gut oder gleich geeignet gemeint, sondern gleichberechtigt und prinzipiell auch gleich im Wert, besser gesagt potentiell gleich im Wert.
Ein allgemeines Gleichheitsprinzip auf den Menschen anzuwenden, halte ich jedoch für nicht zielführend. Die Menschen sind weder gleich begabt, noch gleich erzogen. Selbst bei genetischer Gleichheit sind sie als Mensch nicht gleich, höchstens sehr ähnlich.
Auf ihre ganz spezielle Art sind die FM eine elitäre Gruppierung. Das ist auch wünschenswert, denn das erhöht ihre Attraktivität für ihre Mitglieder. Alleine die Existenz einer Elite (und hiervon gibt es unzählige) schließt jedoch die Gleichheit der Menschen aus.
Einem Freimaurer, der einen ungehobelten Skin als ihm gleich betrachtet, würde ich den Besuch eines Therapeuten empfehlen.
Mit der Toleranz, einem weiteren wichtigen Begriff der Freimaureri sehe ich das ähnlich. Toleranz sollte dort aufhören, wo Intoleranz sich ihr in den Weg stellt und die Oberhand gewinnt.
So wäre es der reine Irrsinn, Zivilcourage durch Toleranz zu ersetzen und sie dadurch auszuhebeln.
Sowohl Gleichheit als auch Toleranz haben auch etwas mit Wollen zu tun. Wer zu faul ist, sich zu bemühen (siehe Schule, Arbeitsmarkt oder Sozialverhalten) verdient sich nicht den Respekt derer, die sich bemühen. Wer sich nicht bemüht, tolerant zu sein, verdient sich nicht den Respekt derer, die Toleranz verinnerlicht haben.
Und wenn ich Menschen nicht repektiere, kann ich sie nicht als mir gleich ansehen. Das ginge höchtens, würde ich mich selbst nicht respektieren.
Man sollte Menschen offen und vorurteilsfrei gegenübertreten und ihnen gleiche Chancen bieten. Wer jedoch einen Stummen zum Nachrichtensprecher macht, einen Analphabeten zum Journalisten, einen Misanthropen zum Kinderpfleger oder einen unverbesserlichen Radikalen in die Bruderschaft aufnehmen will, der hat etwas ganz Wichtiges nicht verstanden.
Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich unterstelle Ihnen ein solches Denken nicht, Sucher. Doch durch einen unbedachten Umgang mit moralischen Werten können diese sehr leicht zu Phrasen mutieren. In durchtriebenen Händen lässt sich solches Argumentieren als Totschlagargument zweckentfremden, siehe Rassismuskeule.
Jeder Mensch sollte ein Recht auf Gleichheit und ein Recht auf tolerante Erstbehandlung haben. Gleichmacherei und blinde Toleranz sind jedoch keine Tugenden und es sind sicherlich nicht die Untugenden der Freimaurerei.
Jedenfalls nicht aus Sicht eines Profanen:rofl:
Wahrscheinlich sehen Sie das ja genauso. Ich tu mich persönlich halt immer sehr schwer mit moralischer Vereinfachung und erbitte Toleranz.;)
Grüße vom Hans!
Chronos70
05.01.2010, 22:39
...
Aber bitte:
Wundern Sie sich nicht - eine schaffreie Zone werden Sie auch hier, bei uns, unter Freimaurern, nicht finden. Allerhöchstens eine mit einer dünneren Schafpopulation.
....
"Meine philosophische Betrachtungen"
Schafe (und Wölfe) gibt es überall. Weshalb sollte es bei Freimaurern anders sein (zumal Schafe keineswegs so dumm sind wie viele Menschen glauben).
Freimaurer stammen aus der sie umgebenden Gesellschaft. Auch wenn (wie in jeder Gruppe) eine gewisse Selektierung stattfindet, Freimaurer müssten (da ich keiner bin kann ich dies nur annehmen) immer auch ein Spiegelbild der sie umgebenden Gesellschaft und ihrer Zeitepoche sein.
An die "Eine große Gruppe die weltweit alles lenkt" glaube ich nicht. Alles kann man nicht lenken und ein Pendel schlägt auch nie in nur eine Richtung aus. Daher glaube ich nicht an die eine große Weltverschwörung (wobei ich an Verschwörungen im Einzelfall durchaus glaube!).
Die philposophischen Fragen lauten für mich eher:
Weiße oder "schwarze" Schafe und wieviele "Wölfe im Schafspelz (Die kommen ebenfalls überall vor, wenn auch seltener.)" sind in der Herde versteckt? Wieviele Wölfe lauern am Rand? Wer führt, leitet und wacht über die Herde? Wo sind die Hunde? Wieviele sind es und wo treibt es die Herde hin? Wohin verschlägt es mich? Welche Rolle spiele ich...?
Lieber 'Hans auf der Suche nach Glück' !
Leser vom EVOLUTIONÄREN HUMANISMUS ( von Michael Schmidt-Salomon) werden erinnern, dass im 'MSS-Raum' nicht allein 'Naturwissenschaft', sondern auch 'Kunst' und 'Philosophie' mit-spielen. 'Tönendes Gemächte' ist nicht nur ein kritisierend-abwertender Begriff. MUSIK kommt 'zum Vorschein'. Da darf alles von sich gegeben werden. Auch ohne zu wissen, ob es Sinn macht .
MUSIK SPIEGELT LEBEN -- weiß ich von einer professionellen Musikerin. Umgekehrt gilt auch LEBEN SPIEGELT MUSIK. Egal ob Sinn-bewusst oder (noch) nicht.
Ich habe mal mit eigenen Worten 'mächtig getönt':
DIE WELT ZU NEHMEN EINFACH HIN, DOCH NICHT SIE SO ZU LASSEN,
NOCH DEUTLICHER IST LEBENSSINN IN WORTE NICHT ZU FASSEN.
Für stringente Logiker ist LEBENSSINN nicht notwendigerweise identisch mit SINN, aber damit läuft die Sinnfrage (ohne "Leben" !) ins Leere -- wenigstens für mich.
Ich "begnüge mich mit dem Besseren". Das ist die Erkenntnis, die sich in dem Folgesatz spiegelt, wonach 'Raum & Zeit' sich im lebenden Lebewesen treffen -- und nirgends sonst !
Aufenthalts-ORT ist die Gegenwart. Da die Zeit nur Vergangenes und Zukünftiges kennt, müssen wir, um das Dazwischen im Denken fassen zu können, auf die Kategorie des Raumes ausweichen. An diesem geschieht Leben -- wie Musik (!) -- intensiv erfahrbar in der Nähe geliebter Menschen.
Darum wünsche ich Dir viel Freude in der Nähe geliebter Menschen.
Sogar die 'Aufteilung der Menschheit in Wölfe und Schafe' wird überwindbar durch die Liebe, die meines Erachtens auch in reinen Wolfs-Populationen das Überleben sichert.
:)
Herzliche Grüße
Jotef
Hans sucht das Glück
06.01.2010, 11:44
Oh, da muss ich Ihnen hinsichtlich Ihres ersten Absatzes aber widersprechen, denn eine elitäre Gruppe kann niemals Spiegelbild einer Gesellschaft sein.
In ihren angeblichen Ursprüngen waren die Brüder die Kathedralenbauer, also die fähigsten Architekten und Bauhandwerker ihrer Zeit und damit sicher kein Spiegelbild der (und wenn überhaupt, dann ja nur der männlichen) Gesellschaft.
Als eigentliche Freimaurer (ab 1717) gehörten sie in einer Zeit, in der 90 Prozent des Volkes aus Analphabeten bestand, definitiv zur Bildungselite. Also ebenfalls kein gesellschaftliches Spiegelbild.
Und heute, in einer Welt ohne Kathedralenbauer und 95 Prozent Alphabeten? Schon allein aufgrund der Altersstruktur können sie kein Spiegelbild sein.
Und wer überlegt sich überhaupt, Freimaurer zu werden? Typischerweise der denkende Mensch in den Vierzigern, der beruflich und gesellschaftlich seine Ziele weitgehend erreicht hat und sich in seiner Midlifecrisis fragt, ob das denn schon alles gewesen sein soll. Derjenige, der beginnt, andere Fragen zu stellen, Fragen nach dem tieferen Sinn des eigenen Lebens, jemand der festgestellt hat, dass es zu erstrebende Werte gibt, die man für Geld nicht kaufen kann. Werte, die in einer Konsumgesellschaft im Alltag kaum auszuleben sind, jedefalls nicht auf Gegenseitigkeit.
Dieser Drang, sich plötzlich selbst erkennen zu wollen und die Bereitschaft, dies aktiv anzugehen, ist meiner Meinung nach völlig unschafig. Das Arbeitsschaf schaut nach der nächsten Beförderung oder dem nächsten Auftrag und ist stolz, einem Serviceclub beitreten zu können, und froh, dort neue Aufträge generieren zu können. Das Alltagsschaf freut sich auf die nächste Shoppingtour und das abendliche Routineprogramm.
Das Schaf sucht das Bekannte.
Ab jetzt kann ich nur für mich sprechen. Ich suche jedoch das Unbekannte, etwas das in mir drin ist und danach schreit, endlich raus zu dürfen, nicht mein Alltags-Ich, sondern mein eigentliches Ich, das ich in einer auf Schafe zurechtgeschnittenen Berufs- und Alltagswelt bislang nicht leben konnte. Und ich mutmaße einfach mal, dass die Motivation anderer Menschen, die sich für die Freimaurerei interessieren, grob ähnlich ist.
Und vergessen wir nicht, dass Selbsterkenntnis Zeit braucht. Früher war Zeit zu haben ein Privileg der Elite. Heute ist es eher umgekehrt, denn die Elite rackert sich in 70-Stunden-Wochen ab. War sie früher in der Freimaurerei überrepräsentiert, dürfte sie heute eher unterrepräsentatiert sein.
Wir alle werden in die Schafwelt hinein geboren. Einige Menschen erkennen irgendwann das schäfische Wesen dieser Welt und suchen Erkenntnis, Entschafung sozusagen. Einige in der Religion, andere in der Philosophie, andere in der Esoterik und wieder andere in der Freimaurerei, die irgendwo dazwischen liegen dürfte.
Ich glaube daher nicht daran, dass die Freimaurerei ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellt und ich glaube wirklich, dass ihr Zauber darin liegt, ein Ort und Weg zur Entschafung zu sein. Natürlich wird nicht jeder Bruder diesen Weg gleich erfolgreich beschreiten und die völlige Entschafung wird ein Ziel bleiben, dass nicht erreicht werden kann.
An eine große Gruppe, die weltweit alles lenkt, sollten Sie unbedingt glauben. Ihre offizielle Bezeichnung ist "Regierungen". Dass diese Regierungen von anderer Seite manipuliert werden, ist offensichtlich, ansonsten wäre der Beruf des Lobbyisten ja überflüssig. In den USA stellen die Lobbyisten der Wall Street ja bereits die halbe Regierung und auch in Niedersachsen lässt sich gegen VW nicht regieren. Ob diese Lobbyisten jedoch an einem Strang ziehen, also im Hintergrund von einer unbenannten Gruppe gesteuert werden, vermag ich nicht zu beurteilen. Diese Gruppe müsste schon sehr stark sein, um all die (teilweise psychopathischen) Alphatierchen in Zaum zu halten. Als mögliche Drahtzieherschaft halte ich ein Gebäude wie die Freimaurerei dazu für völlig ungeeignet, allein schon wegen der fehlenden gelebten hierarchischen Strukturen. Wäre sie an einer Weltherrschaft beteiligt, dann nur indirekt über eine ihr überstehende Gruppe im Hintergrund. Darüber zu spekulieren ist jedoch müßig. Zudem sehe ich hierfür keine Anhaltspunkte.
Glück ahoi!
Lieber Hans,
ich gebe Ihnen hier völlig recht, ...
Ein allgemeines Gleichheitsprinzip auf den Menschen anzuwenden, halte ich jedoch für nicht zielführend. Die Menschen sind weder gleich begabt, noch gleich erzogen. Selbst bei genetischer Gleichheit sind sie als Mensch nicht gleich, höchstens sehr ähnlich.
... verstehe aber nicht ganz, warum Sie dann dies hier problematisieren, ...
[...] Alleine die Existenz einer Elite (und hiervon gibt es unzählige) schließt jedoch die Gleichheit der Menschen aus.
... wenn Sie doch bereits zu Beginn Ihres Beitrag folgende Einsicht dargelegt haben, die ich übrigens voll und ganz unterschreiben kann:
[...] in der zweiten Bedeutung ist mit Gleichheit sicher nicht gleich gut oder gleich geeignet gemeint, sondern gleichberechtigt und prinzipiell auch gleich im Wert, besser gesagt potentiell gleich im Wert [meine Hervorhebung, C.].
Einigen wir uns doch auf diese Definition für Gleichheit; und wenn wir soweit sind -- müssen wir dann nicht eben auch den "ungehobelten Skin" als "potentiell gleich im Wert" betrachten können, ohne ihm jene von Ihnen beschriebene falsche Toleranz entgegenzubringen, die dem Wirken der Intoleranz allererst das Tor öffnet, und ohne uns zum Therapeuten schicken zu lassen?
Oder habe ich Sie grundlegend mißverstanden?
fragt sich
Candide
irishmason
06.01.2010, 12:20
Also auf die Schafe lasse ich nichts kommen.
anbei Winterbild meines Feldes mit einem irischen Schaf
Hans sucht das Glück
06.01.2010, 13:06
Einigen wir uns doch auf diese Definition für Gleichheit; und wenn wir soweit sind -- müssen wir dann nicht eben auch den "ungehobelten Skin" als "potentiell gleich im Wert" betrachten können, ohne ihm jene von Ihnen beschriebene falsche Toleranz entgegenzubringen, die dem Wirken der Intoleranz allererst das Tor öffnet, und ohne uns zum Therapeuten schicken zu lassen?
Oder habe ich Sie grundlegend mißverstanden?
fragt sich
Candide
Lieber Candide,
der ungehobelte Rechtsradikale wurde einmal als unschuldiger Säugling geboren und hatte damit den potentiell gleichen Wert als Erwachsener, wie die neugeborene Mutter Theresa.
Im Laufe seiner Entwicklung hat er für sich jedoch andere Wertmaßstäbe und sich damit zu einem Menschen entwickelt, den ich persönlich nicht mit Mutter Theresa gleichgestellt sehe.
Er ist also aktuell als Mensch (nicht als Tier) weniger wert. Es ist kein Zeichen von Erkenntnis, wenn man dies negiert. Potentiell gäbe es für den Barbaren jedoch die Möglichkeit einer späteren Läuterung und damit die Möglichkeit einer Wiederherstellung der Gleichwertigkeit. Doch ohne Arbeit an sich selbst wird diese nicht zu erreichen sein. Wäre er bereit, diesen Weg zu gehen, sollte jemand da sein, der ihm die Hand reicht. Doch sollte er sein barbarisches Treiben fortsetzen, sollte jemand da sein, der ihm Grenzen setzt.
Das Leben ist das, was wir daraus machen und am Letzterem müssen wir uns messen lassen.
Glück ahoi!
Hans
Lieber Hans,
Man sollte Menschen offen und vorurteilsfrei gegenübertreten und ihnen gleiche Chancen bieten.
und damit haben sie ziemlich genau das getroffen was auch ich damit meinte. :)
Natürlich sind Menschen in ihrem Wesen, Aussehen, Haarfarbe (oder keine), Bildung, Herkunft, Können und Begabung verschieden. Gerade das macht die Menschheit ja aus. Aber deswegen sollten doch alle eben die gleiche Chance haben, wie schon festgestellt, auch gleich behandelt zu werden.
Natürlich möchte ich nicht in meinem Handeln und Denken mit einem wie sie sagen "ungehobelten Skin" gleichgestellt werden. Und auch seine etwaigen rassistischen oder sonst wie inhumanen Ansichten sollte ich nicht mal respektieren. Und doch haben beide das Recht gleich behandelt zu werden. Im Klartext: wenn also einer von beiden, der Skin oder ich :cool: , gegen das Gesetz verstößt, hat er auch das Recht nach diesem Gesetz behandelt/bestraft zu werden. Aber ich glaube jetzt schweife ich ab.
In einer nur dem Instinkt folgenden Schafherde würden sich also auf dem saftig grünsten Rasenstück nur die Schafe halten können, die die dicksten Hörner haben und damit am kräftigsten Kopfstöße verteilen können. Warum aber? Tun diese Schafe der Gemeinschaft irgendetwas besonderes Gutes?
liebe grüße, sucher
BernhardL
06.01.2010, 15:16
Er ist also aktuell als Mensch (nicht als Tier) weniger wert.
Auch wenn seine Taten bestimmt absolut inakzeptabel sind, bin ich fest davon überzeigt, dass sein Menschsein den gleichen Wert hat.
Sobald wir uns darauf einlassen von wertigerem und weniger wertigen Menschen zu sprechen, kommen wir in den Bereich, Menschsein mathematisch zu betrachten und darauf basierend die Rechte, auch Lebensrechte und die Würde des einzelnen messen zu wollen.
Ein gefährliches Spiel.
Hans sucht das Glück
06.01.2010, 17:05
Lieber BernhardL
vom philosophischen Standpunkt aus haben Sie natürlich völlig Recht. Mutter Theresa als einen wertvollen Menschen zu bezeichnen funktioniert nur aus einem Weltbild heraus, das Altruismus für erstrebenswert hält.
Ein solches Weltbild ist natütlich nur eines von unendlich viel möglichen. De Sade macht sich ja genau darüber lustig.
Aber irgendwie ist dieses Thema langsam durch und mir scheint, dass alle mehr oder weniger das Gleiche meinen, es nur unterschiedlich formulieren.
Glück ahoi!
Hans
Er ist also aktuell als Mensch (nicht als Tier) weniger wert. Es ist kein Zeichen von Erkenntnis, wenn man dies negiert. [meine Hervorhebung, C.]
Lieber Hans auf der Suche,
ich negiere dies trotzdem.
Wie auch Bernhard vor mir, halte ich eine solche subjektive Wertbeimessung für höchst gefährlich. An welchen Maßstäben sollte sie sich denn orientieren, und wer darf sich anmaßen, diese Maßstäbe zu setzen?
Mir liegen reductiones ad Hitlerum (http://de.wikipedia.org/wiki/Reductio_ad_Hitlerum) für gewöhnlich wirklich fern: aber aus dem Bemessen eines wie auch immer definierten "menschlichen Wertes" echot mir zu sehr "unwertes Leben (http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensunwertes_Leben)" und "Gottbegnadetenliste (http://de.wikipedia.org/wiki/Gottbegnadetenliste)". Ich will Ihnen damit auf keinen Fall zu nahe treten oder etwas unterstellen, aber mir sträuben sich bei Diskussionen um "Wert" oder "Unwert" eines Menschen immer die Nackenhaare.
Davon unberührt bleibt, daß ich jeden erklärten Anhänger nationalsozialistischen oder anderweitig totalitären Gedankenguts für ausgesprochen unerquicklich und in meiner persönlichen Umgebung unerwünscht halten würde -- so wie es zugegeben sei, daß ich subjektiv mir nahestehenden Personen wohl einen höheren Wert zumesse als einer mir völlig unbekannten Person, und demzufolge beispielsweise eher mein eigenes Kind aus einem Feuer retten würde, als das eines anderen Menschen.
Nichts für ungut,
Candide
Hans sucht das Glück
06.01.2010, 22:59
Lieber Candide,
jetzt geben Sie aber den Advocatus diaboli.
Zur Klarstellung: Unwertes Leben gibt es nicht, und wenn dann steht es nicht uns zu, dies zu entscheiden.
In meinen Augen ist der Mensch jedoch Tier+X. Wenn X=0 ist, oder sogar einen negativen Wert hat, dann hat erhält die Definition Tier+X eine entsprechende Bedeutung.
Wenn Sie zur philosophischen Logik greifen, dann seien Sie doch bitte so konsequent und lassen auch Moral und Ethik aus dem Spiel.
Wenn Sie Moral und Ethik nicht aus dem Spiel lassen wollen, dann argumentieren Sie doch konsequenterweise nicht philosophisch hinsichtlich denkbarer, von den geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzen abweichender Wertmaßstäbe.
Die Freimauerei schreibt sich doch völlig zurecht auf die Fahnen, der Variable X gemäß der aufklärerischen Ethikmaßstäbe einen positiven Wert verleihen zu wollen.
In der Rolle von Teufels Anwalt könnte ich nun fragen, welche Anmaßung die Freimaurerei denn besitzt, das aufklärerische Wertebild als etwas Absolutes anzusehen und einwerfen, wie sie den Menschen zerstört, indem sie ihn zu einem in ihren Augen "besseren Menschen" macht.
Warum darf die Freimaurerei das Wort "besserer Mensch" überhaupt in den Mund nehmen? Bedeutet dies nicht auch automatisch die Existenz schlechterer Menschen?
In einer Welt, in der die Schafe auch die moralischen Wertmaßstäbe setzten, wäre die Maurerei wahrscheinlich ebenso verboten, wie in der Welt des Despotismus.
Wenn wir solche Glatteisthemen diskutieren, dann bitte ohne teuflische Anwälte. Dazu achten wir einander doch viel zu sehr. Hoffe ich jedenfalls.
Abschließend noch eine Bitte:
Herr Bertuch bat mich, eine Frage hinsichtlich der Freimaurerei nicht öffentlich zu stellen, sondern schlug vor, mich damit direkt an die hier anwesenden Freimaurer via Privatnachricht zu wenden.
Darf ich?
Viele Grüße und Glüch ahoi!
Hans
Spekulatius
09.12.2011, 15:27
das ist aber interessant hier :-)
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