Vollständige Version anzeigen : Vom sinnvollen Umgang mit Fehlern
Wie geht man am sinnvollsten mit Fehlern um. Mit den eigenen Fehlern, und mit den Fehlern des Anderen?
Wie arbeitet man an bekannten Fehlern?
....
Leider wird, gerade was Fehler auf der Arbeit angeht, mittlerweile schon Angst in dem Sinne erzeugt, dass Vorgesetzte ihre Mitarbeiter bei Fehlern nicht zur Verantwortung ziehen sollen, da dies einer positiven Fehlerkultur entgegenstünde.
Wie so oft verkennt man, dass nicht das WAS sondern das WIE bei einer positiven Fehlerkultur wichtig ist. ...aber das ist schon ein anderes Thema.
Liebe Grüße,
Bernhard
Sehr geehrter Bernhard, Sie scheinen es für wichtig zu halten, daß jemand, der Fehler macht dafür zur Verantwortung gezogen werden soll.
Allerdings ist Ihnen dabei das "Wie" wichtig.
Trotzdem heißt es, daß der Freimaurer den eigenen Stein und nicht den des Anderen bearbeitet.
Es ist natürlich in einigen Fällen möglich einen Menschen non-verbal zur Verantwortung zu ziehen. Man muß ihn in seinen Aussagen und Handlungen einfach nur ernst nehmen.
Manchmal allerdings werden klare Worte wohl unumgänglich sein.
Wann und wo würde die neue Fehlerkultur:
[„Damit sich Angst in Vertrauen wandeln kann, ist es wichtig, zu den eigenen Schwächen stehen zu können und Fehler einzugestehen - und dafür respektiert und geachtet zu werden. "]
versagen?
Beste Grüße
Kater
irishmason
28.10.2009, 13:02
Der Mensch an sich ist schon eine fehlerhafte Konstruktion.
Deshalb macht er Fehler von jungauf.
Allerdings muss man in diesem sehr weiten Komplex zwischen Fehler und Fehler unterscheiden.
1. Fehler an der Arbeitsstelle wiegen schwerer, da sie Menschen gefährden können, materiellen und finanziellen Schaden anrichten können und die Reputation oder Qualität eines Produktes mindern. Da man den Beruf erlernt und die Aufgabe übernommen hat, sind diese Fehler zu rügen.
2. Wenn einer den Fehler gemacht hat, im seinem Leben eine falsche private Entscheidung getroffen zu haben, so kann er das hinnehmen oder den Fehler korrigieren.
3. Wenn man an sich Fehler entdeckt, so sollte man diese selbstkritisch ändern und zwar stetig und rigoros.
4.Wenn man an anderen Fehler entdeckt und einem die Person wichtig ist und man evtl helfen kann, so sollte man dezent und feinfühlig darauf hinweisen.
Es ist schon richtig, die Arbeit am eigenen Stein sollte mit Fleiss und Nachdruck betrieben werden, das hilft einem selbst und auch den anderen, da man vielleicht Untugenden abschleift, die die eigene Umgebung negativ beeinflusst und man damit einen Beitrag zu Verständnis und Harmonie macht.
Also man sieht schon Fehler und Fehler unterscheiden sich schon. Dass jeder Mensch, ob Freimaurer oder nicht, die Fehlerpalette von 1 bis 4 vermeiden oder abbauen sollte, ist unstrittig.
Es ist ja nicht exklusiv auf Freimaurer beschränkt, an sich zu arbeiten, das machen viele und vielleicht noch effektiver, aber daran ständing durch die Symbolik erinnert zu werden, also das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren oder gar bequem und unkritisch zu werden, bietet die Freimaurerei.
BernhardL
28.10.2009, 13:10
Hallo Kater,
da Sie mich direkt ansprechen.
Zum einen müsste man fachlich/sachliche von "persönlichen" Fehlern trennen.
Auch wenn wir als FM "nur den eigenen rauen Stein" behauen wollen, erwarte ich von meinen Brüdern, dass sie mir auch, wenn es nötig sein sollte, ein feed back geben, falls mein persönliches Verhalten danach verlangt.
Wichtig hierbei ist, dass man immer erst als Vorbild voran gehen sollte. Dies gilt in der FM, im Job und bei der Kinererziehung ebenso. ... wie könnte ich etwas einfordern das ich selbst zu geben nicht bereit bin?
Was den freien Menschen angeht, gehört auch die Freiheit der eigenen Verantwortung dazu. In dem Moment in dem ich einsehe, dass nicht andere, sondern nur ich für mich verantwofrtlich bin, muss ich auch akzeptieren, dass ich auch für meine Fehler Verantwortung trage.
Ich störe mich vor allem an dem Wort "neue". Schon vor 10-15 Jahren führte ich über eine Angstfreue Fehlerkultur Diskussionen. Sachlich fachliche Fehler gehören sachlich/fachlich angesprochen.
Wie unfair wäre es Leistungsträger genau so zu behandeln wie "Fehlerteufel"?
Wesentlich ist in meinen Augen, dass ich bei Konsequenzen den Gegenüber immer mit Respekt und Würde behandel.
Angstfrei kann hier aber keinesfalls das Leitmotiv sein. Der eine hat evtl. erst Angst vor einem "Anschiss und Abmahnung" ein anderer schon vor einem vier-Augengespräch.
Von daher müsste es in meinen Augen lauten: Respektvolle Fehlerkultur.
Den von Ihnen Zitierten Satz möchte ich wie folgt gekürzt hervorheben:
... einzugestehen - und dafür respektiert und geachtet zu werden.
.........
Natürlich hat Angst auch etwas positives... aber auch das ist nicht neu.
Ich musste vor allem schmunzeln, weil es mich an meinen aktuellen Bericht erinnert mit dem Titel: "Vorurteile - esentielle Voraussetzung für eine humanistische gesellschaft."
Liebe Grüße,
Bernhard
Loewenstein
29.10.2009, 11:59
... wie könnte ich etwas einfordern das ich selbst zu geben nicht bereit bin?
Eigentlich scheint das plausibel, aber wenn man dann nachdenkt...:thinking:
hieße das in einem leicht modifizierten Umkehrschluß, ich dürfte nichts fordern, was ich nicht selbst zu geben fähig bin?
Kann es nicht auch sein, daß man etwas zu recht fordert, was man selbst (noch?) nicht kann, aber bei anderen kennengelernt hat, bewundert und auch für sich erst noch erstrebt? (damit ist jetzt nichts materielles gemeint!)
Gehört nicht auch das zu dem, was Bernhard besser
respektvolle Fehlerkultur
nennt?
Ich möchte es vorziehen, dies sogar
positive Fehlerkultur
zu nennen - und das nicht nur als Spielerei um der contradictio in adiecto willen.
Das Abendland hat eine durch christliche Tradition geprägte, sehr alte und im Grunde auch tief verankerte solche 'positive' Fehlerkultur, wo die Vorstellung der 'seelischen' (oder wie auch immer man das je nennen will) Heilung durch Erkennen, Anerkennen und Bearbeiten von Fehlern wie auch der Schutz und die Pflege von ggf. irreversiblen körperlichen Fehlern kulturgeschichtlich einmalige Bedeutung und großen (wenn auch angesichts des Elends der Welt nicht ausreichenden) Einfluß gewann.
Ersteres zeigt sich in den christlichen 'Institutionen' der (privaten oder liturgischen) Beichte, die strukturell immer auf Heilung hin angelegt* ist und daher notwendig mit einer Heil(ung)s-Zusage verbunden ist (und deren säkulares Erbe vielfältige psychotherapeutische Modelle anzutreten sich anschicken - mit wechselndem, mitunter recht zweifelhaftem Erfolg …),
letzteres ist in der vielfältigen, aus jüdisch-christlichem Menschenbild heraus entfalteten und ursprünglich auch nur von christlichen Institutionen (Klöstern, Orden…) getragenen caritas, der barmherzigen Kranken- und Armenpflege, ersichtlich, sowie auch der Sorge um Alte und Sterbende über den Familienkreis hinaus. Kaum sonstwo hat sich die große humanitäre Errungenschaft in diesem Umfang durchsetzen können, daß man den stinkenden Penner mit vollgeschissenen Hosen nicht im Rinnstein liegenlässt...
Sind das nicht schon die geistigen Grundlagen dessen, was als 'neue' (:nono:, ist es eben nicht) oder eben 'respektvolle' Fehlerkultur nun vermeintlich neu entdeckt wird? Es ist ganz schlicht und einfach der Respekt vor dem fehlerhaften, unvollkommenen (Mit-)Menschen als (mit-)Geschöpf, der dazu treibt: Menschenliebe, der äußerste Kreis des freimaurerischen Blicks auf die Welt.
Freimaurer trachten hier ebenso wie Christen danach, diese Respekt-Wurzeln der Menschenliebe auch über die vertrauten Grenzen der Brüderlichkeit und Toleranz hinaus zu pflegen - und damit eine Fehlerkultur, die es schon lange gibt, die aber auch immer wieder um ihr Recht und ihre Berechtigung zu ringen hat in einer Welt, in welcher es außenhin gilt, keine Fehler zu machen und nur dann eben vermeintlich gut, schön, mächtig, stark und richtig zu sein ...
:bye:
*und ja beileibe nicht, wie von meist ahnungslosen anti-kirchen-Hetzern behauptet wird, der Kontrolle und Beherrschung des Individuums dient! - freilich abusus non tollit usum, aber wo ist das nicht so?
BernhardL
29.10.2009, 14:41
Eigentlich scheint das plausibel, aber wenn man dann nachdenkt...
hieße das in einem leicht modifizierten Umkehrschluß, ich dürfte nichts fordern, was ich nicht selbst zu geben fähig bin?
Kann es nicht auch sein, daß man etwas zu recht fordert, was man selbst (noch?) nicht kann, aber bei anderen kennengelernt hat, bewundert und auch für sich erst noch erstrebt? (damit ist jetzt nichts materielles gemeint!)
Hm, auch so eine, nicht nur in Diskussionen, sondern auch im Leben oft auffindbare Fehlerkultur.:rolleyes:
Aber ist es wirklich so, wenn eine Sache Richtig ist, ist dann der Umkehrschluss zwangsweise falsch?
Oftmals ist das Streben nach einem Ziel wichtiger als das Ziel selbst.
...und wie sage ich immer:
Der Kluge lernt aus seinen Fehlern,
der Weise lernt schon aus den Fehlern anderer.
Liebe Grüße,
BernhardL
und das nicht nur als Spielerei um der contradictio in adiecto willen.abusus non tollit usum
Der liebe Loewenstein!! :dizzy:
Bitte lasse doch auch nicht Lateiner an deinen wirklich schönen :yes: Gedanken teilhaben! ;)
Grüße, sucher
@Sucher
Der frustrierte Lehrer zu den Schülern:
Zwei Hälften sind immer gleich....- aber das kapiert die größere Hälfte von Euch mal wieder nicht.
Der zweite Teil stellt einen "Widerspruch in sich" da. ( contradicto in adiecto - Widerspruch in der Beifügung )
abusus non tollit usum -
"Abusus non tollit usum ist ein lateinisches Sprichwort und war eine Rechtsregel: Missbrauch hebt den (rechten) Gebrauch nicht auf."(Wiki)
Ich möchte es vorziehen, dies sogar
positive Fehlerkultur
zu nennen - und das nicht nur als Spielerei um der contradictio in adiecto willen.
Das Abendland hat eine durch christliche Tradition geprägte, sehr alte und im Grunde auch tief verankerte solche 'positive' Fehlerkultur, wo die Vorstellung der 'seelischen' (oder wie auch immer man das je nennen will) Heilung durch Erkennen, Anerkennen und Bearbeiten von Fehlern wie auch der Schutz und die Pflege von ggf. irreversiblen körperlichen Fehlern kulturgeschichtlich einmalige Bedeutung und großen (wenn auch angesichts des Elends der Welt nicht ausreichenden) Einfluß gewann.
Das ist ein bisschen so, als wenn eine Muschel um das sie verletzenden, schädlichen Sandkorn
oder den in sie eingedrungenen Fremdkörper, eine Perle bildet.
Die menschliche Schwäche wird nicht nur beseitigt und das war's.
Es wird vielmehr aus der Schwäche eine Stärke entwickelt.
Verletzung und Mangel wandeln sich in Heilung und Wert.
Eine Vorstellung, die mir gut gefällt
Katergrüße
Loewenstein
30.10.2009, 10:44
Danke zunächst,
lieber Kater,
für die Erledigung der Übersetzungen :)
Das ist ein bisschen so, als wenn eine Muschel um das sie verletzenden, schädlichen Sandkorn
oder den in sie eingedrungenen Fremdkörper, eine Perle bildet.
Und dann Dank für dieses schöne Bild :yes:
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