Vollständige Version anzeigen : Von Ehrfurcht, Angst und ganz banalem Schiss
Hallo in die Runde!
Überall heißt es: Sei mutig. Mut ist mE ein Gegenstück zur Angst. Dass man keinen Schiss haben soll ist klar - was kann lE im allerschlimmsten Fall passieren... hmm, ne ganze Menge höchst unerfreulicher Dinge.
Trotzdem ist irgendwie klar, dass man sich seinen Ängsten offensiv stellen sollte, Wagemut zeigt usw. usf.
Alles läuft für mich darauf hinaus, Ängste i.w.S. zu überwinden, also angstfrei zu werden.
Da stolpere ich nun aber in letzter Zeit häufiger und eher zufällig über die Gottesfurcht, die Ehrfurcht vor dem allerhöchsten Prinzip. Und diese scheint die höchste Tugend zu sein - ob das in einer alten Rosenkreuzerregel ist, oder im I-Ging (das Bild zu Nr. 51), von vielen christlichen Verweisen ganz zu schweigen.
Es scheint so zu sein, dass diese Form von Furcht weltweit von vielen klugen Menschen nicht als überwindenswerter Zustand betrachtet wird, sondern vielmehr als wichtige Errungenschaft.
Ich persönlich empfinde immer wieder Demut vor der kaum fassbaren Größe der Schöpfung, egal wo und wie. Aber irgendwie kann ich mich dem Begriff der "Ehrfurcht" innerlich nicht nähern.
Würde mich über Gedanken/Input usw. zu diesem Thema sehr freuen :)
Gruß, m3we
BernhardL
14.07.2009, 08:06
.Alles läuft für mich darauf hinaus, Ängste i.w.S. zu überwinden, also angstfrei zu werden.
Hallo,
Angst, Furcht und Ehrfuhrt scheinen mir doch nicht so gleichen Ursprungs zu sein.
Auf jeden Fall erachte ich ein vollkommen angstfreies Leben nicht als erstrebenswert. Angst ist ein nützliches und gesundes Gefühl.
Aber wie bei allen Gefühlen, kommt es auch hier auf Maßhaltigkeit an.
Angst beschützt uns. Doch sollte diese schützende Hand über uns, unseren Horizont nicht einengen.
Liebe Grüße,
bernhardL
irishmason
14.07.2009, 11:54
Ehrfurcht, wenn man es vom sprachlichen Ursprung her betrachtet, enthält die Elemente der Verehrung einer übergeordneten Macht, eine Ehrerbietung, die die menschlich/seelische Saite in uns anklingen lässt.
Ehrfurcht stellt sich bei mir ein, wenn ich mit der Natur, den Bergen hier, dem Atlantik konfrontiert bin, oder einem riesigen brausenden Wasserfall.
Ehrfurcht habe ich auch vor großer künstlerischer, wissenschaftlicher oder menschlicher Leistung.
Auch Ehrfurcht vor dem Menschen an sich, die oft auch in Angst umschlagen kann oder Furcht, je nach dem mit welchen Zeitgenossen man es zu tun hat.
Angst ist der spontane animalische Trieb in uns, der das Adrenalin ansteigen lässt und uns bereit macht, uns zu wehren oder zu fliehen, oft lähmt sie auch oder übt so einen negativen Einfluss aus, dass Menschen seelisch krank werden, wenn die Angst sich über eine lange Periode erstreckt. Ist die Angst spontan, aus einer augenblicklichen Situation (heute morgen fuhr mir in einer Kurve ein Idiot fast in den Wagen) so reagiert man automatisch.
Ehrfurcht wird oft auch mit Gottesfurcht gleichgestellt.
Wobei ich Furcht als negatives, schleichendes permanentes Gefühl empfinden würde, so eine unterschwellige Furcht und damit den Begriff GottesFURCHT eher mit der Ehrfurcht vor einer Allmacht, die ich mir nicht erklären kann, austauschen möchte.
Ehrfurcht stellt sich bei mir ein, oder ich führe sie bewusst herbei, (um mich selbst etwas
als Menschlein zurückzunehmen und Ruhe in mir zu finden), wenn ich nachts in den sternenklaren Himmel schaue und mir die ewige Unendlichkeit dieses Raums vorstelle.
Albert Schweitzer prägte mal folgende Aussage, die, wie ich finde, auch in unser freimaurerisches Bild passt:
Die Ethik (http://de.wikipedia.org/wiki/Ethik) der Ehrfurcht vor dem Leben (http://de.wikipedia.org/wiki/Leben) begreift also alles in sich, was als Liebe (http://de.wikipedia.org/wiki/Liebe), Hingabe, Mitleiden (http://de.wikipedia.org/wiki/Mitleid), Mitfreude und Mitstreben, bezeichnet werden kann.
hm, das sind zwei anregende postings - Danke schonmal!
Ein angstfreies Leben muss ja nicht zwingend zu lebensgefährlichem Übermut führen. Wenn es sich mit der Intelligenz bzw. Lebensklugheit indirekt proportional zur abnehmenden Angst verhielte, dann würde mM am Ende ein wacher Geist eine überflüssig gewordene Emotion auf/ablösen.
-
Zum Begriff "Furcht" - letzten Endes sehen wir ihn fast nur negativ. Da gibt es doch den uralten Vornamen "Fürchtegott" - kann der damals negativ gemeint/belegt gewesen sein? Entweder der Begriff hat eine Bedeutungswandlung erfahren - oder wir haben einen wichtigen positiven Aspekt der Furcht vergessen. ?
Gruß, m3we
Resonator
18.07.2009, 12:01
hm, das sind zwei anregende postings - Danke schonmal!
Ein angstfreies Leben muss ja nicht zwingend zu lebensgefährlichem Übermut führen. Wenn es sich mit der Intelligenz bzw. Lebensklugheit indirekt proportional zur abnehmenden Angst verhielte, dann würde mM am Ende ein wacher Geist eine überflüssig gewordene Emotion auf/ablösen.
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Zum Begriff "Furcht" - letzten Endes sehen wir ihn fast nur negativ. Da gibt es doch den uralten Vornamen "Fürchtegott" - kann der damals negativ gemeint/belegt gewesen sein? Entweder der Begriff hat eine Bedeutungswandlung erfahren - oder wir haben einen wichtigen positiven Aspekt der Furcht vergessen. ?
Gruß, m3we
So scheint es mir als ob die Gottesfurcht mit der Aufklärung nur mehr in den Bereich der Existenzfurcht gedrängt wurde.
Angst vor Kapitalverlust oder der Angst nicht genug zu besitzen, um morgen noch im gleichen Standard leben zu können.
Der Begriff "Fürchtegott" als Name ist mir nicht bekannt, hätte da noch jemand Infos dazu?
Gruß Andreas
irishmason
18.07.2009, 12:19
So scheint es mir als ob die Gottesfurcht mit der Aufklärung nur mehr in den Bereich der Existenzfurcht gedrängt wurde.
Angst vor Kapitalverlust oder der Angst nicht genug zu besitzen, um morgen noch im gleichen Standard leben zu können.
Gruß Andreas
Die vom Menschen selbst erschaffene Güterwelt erweist sich, wir sehen es allerorten, NICHT als die ersehnte Heimat des Menschen.
Nachdem materielle Bedürfnisse gestillt sind, stellt sich die unausrottbare Frage nach dem Sinn des Lebens und die Deutung seiner Ängste ....."Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und damit Schaden nimmt an seiner Seele?.....
Diese alte Weisheit wird heute wiederentdeckt angesichts der Tatsache, daß unsere heutige Gesellschaft zwar Lebensgüter produziert, aber dem Sinn des Lebens nicht nur indifferent, sondern abweisend gegenübersteht, ihn vom Materiellen abhängig macht und damit Verlustängste vorprogrammiert.
Man redet von weltwirtschaftlicher Krise, hat aber die Humankrise aus den Augen verloren.
Man diskutiert die Angst um Verlust von Aktienwerten, finanziellen Einbussen, Wegbrechen von Umsatz und Profit, diskutiert aber nicht den Werteverlust des Individuums, seine menschlichen Ängste, den Verlust an Wert eines Menschenlebens.
Der Begriff "Fürchtegott" als Name ist mir nicht bekannt, hätte da noch jemand Infos dazu? Hier bitteschön: de.wikipedia.org/wiki/Fürchtegott :)
Gruß, m3we
Fürchtegott = Eindeutschung von griech. Timotheos [von timáô - (ab-/ein-)schätzen, bemessen (ver-)ehren; ho theós - Gott(heit)], als männlicher Vorname besonders im 18. Jahrh. geläufig (z.B. Christian Fürchtegott Gellert, Dichter, Dramatiker, Literaturtheoretiker), danach seltener. Heute (wie auch Traugott, Gottlob, Leberecht) noch bes. in pietistischen Milieus anzutreffen.
Auch zum Verb "fürchten", das sich wohl von einer indogermanischen Wurzel *per-(k) (Lautverschiebung p -> f) herleitet, die in Verbindung mit dem Bedeutungsfeld "Gefahr", "Risiko", "Prüfung", "Unsicherheit" steht (vgl. z.B. lat. periculosus - gefährlich; aber auch experiri - erfahren, i. S. v. "durch das Risiko gegangen sein"), gehört das Abschätzen eines Risikos, das Anerkennen eines negativen oder positiven Potentials. Furcht ist also das Gefühl, das wir vor etwas haben, von dem wir annehmen, daß es unser Sein in negativer oder positiver Weise beeinflussen kann, ohne daß wir dem etwas entgegenzusetzen hätten.
Rilkeleser wissen, daß diesem Gefühl durchaus ästhetischer Genuß innewohnen kann:
[...] Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. [...]
(Erste Duineser Elegie, 1912)
Edmund Burke hat in seinem ungemein einflußreichen Werk über das Erhabene und Schöne (Philosophical Enquiry into the Origin of our Ideas of the Sublime and the Beautiful, 1757) darauf hingewiesen, daß das Gefühl des Erhabenen, Verehrungswürdigen untrennbar mit der Macht (dieses als erhaben Empfundenen) über das eigene (des Empfindenden) Leben verbunden ist, und daß der mit diesem Gefühl verbundene mögliche ästhetische Genuß in dem Maße zunimmt, wie die unmittelbare Gefahr für Leib und Leben abnimmt, man z.B. den Ausbruch eines Vulkans aus einer Entfernung betrachtet, in der die Todesgefahr zu vernachlässigen ist. Das gleiche gilt für die heute so beliebten Katastrophenfilme mit ihren immer realitätsnäheren Spezialeffekten.
Während ich also dafür plädieren würde, daß Furcht nicht notwendigerweise negativ sein muß, halte ich Angst für ein als nur negativ empfundenes Gefühl, daß zudem mit einer gewissen physischen Komponente einhergeht, während die Furcht meistens abstrakt bleibt. "Angst" ist mit dem Wort "Enge" verwandt (lat. angustus - eng, schmal) und signalisiert damit eine Bedrängnis, eine Beklemmung (angina pectoris!), also eine Gefahr, die aus dem Hypothetischen ins Faktische getreten und von uns körperlich empfunden wird; das kann bis hin zur Atemnot führen (lat. ango - einengen, würgen, beängstigen, quälen). Natürlich kann man das entwicklungsbiologisch auch wieder positiv sehen, denn diese körperlich empfundene Angst ist ein Auslöser des ggf. lebenrettenden Fluchtreflexes.
Den landläufigen "Schiss" würde ich übrigens mit "Angst" synonym setzen, da er sich ja auf ein weiteres, extremes körperliches Angstsymptom bezieht, nämlich das Versagen des Schließmuskels (solch eine Verschiebung in der Kausalität fällt in der Literaturwissenschaft unter den Begriff der "Metonymie").
Oh, da war m3we schneller -- habe ich beim Schreiben nicht bemerkt ... :rolleyes:
Resonator
18.07.2009, 18:59
Oh, da war m3we schneller -- habe ich beim Schreiben nicht bemerkt ... :rolleyes:
Ey..- das macht doch nix, schöne Ausführung, Danke!
Vielen Dank auch für die Ausführliche Erklärung zur Differenz zwischen Furcht und Angst.
Somit erscheint die Angst wohl aber tatsächlich auch als rein abstrackter Begriff der nur aus der Wahrnehmung heraus reale Auswirkungen auf unsere psychische und physische Konstitution auswirkt.
Die Berechtigung dieser Ängste im Evolutionären Sinn kann man sich leicht erklären, aber weshalb kann sich diese Funktion auch so leicht auf irrationale Bereiche übertragen.
Beispiel Phobie, es gibt keine rationalen Gründe für ein Angstverhalten sich in geschlossenen Räumen, bzw. auf öffentlichen Plätzen zu befinden.
Frage: Können wir überhaupt sämtliche Wurzeln unserer Ängste ausfindig machen?
Gruß Andreas
Auch von mir merci für die Ausführungen
:rolleyes:Hehe, hoffe das Sarkastische bezieht sich nicht auf mich - hätte nämlich schlicht nichts schreiben können, da ich nur von dem Vornamen wusste - da weise ich halt lieber auf ´nen link hin.
Gruß und Dank an euch Threadler für den interessanten Input,
m3we
Keine Angst (:D), der Sarkasmus bezog sich allein auf meine eigene Weitschweifigkeit, die dem Nebenmenschen viel Raum läßt, meine Pointen vorwegzunehmen...
@Candide
Danke für den informativen und klärenden Beitrag.
Er gehört zu denen, die man sich aufheben möchte.
Beste Grüße
Kater
Fürchtegott = Eindeutschung von griech. Timotheos [von timáô - (ab-/ein-)schätzen, bemessen (ver-)ehren; ho theós - Gott(heit)], als männlicher Vorname besonders im 18. Jahrh. geläufig (z.B. Christian Fürchtegott Gellert, Dichter, Dramatiker, Literaturtheoretiker), danach seltener. Heute (wie auch Traugott, Gottlob, Leberecht) noch bes. in pietistischen Milieus anzutreffen.
Auch zum Verb "fürchten", das sich wohl von einer indogermanischen Wurzel *per-(k) (Lautverschiebung p -> f) herleitet, die in Verbindung mit dem Bedeutungsfeld "Gefahr", "Risiko", "Prüfung", "Unsicherheit" steht (vgl. z.B. lat. periculosus - gefährlich; aber auch experiri - erfahren, i. S. v. "durch das Risiko gegangen sein"), gehört das Abschätzen eines Risikos, das Anerkennen eines negativen oder positiven Potentials. Furcht ist also das Gefühl, das wir vor etwas haben, von dem wir annehmen, daß es unser Sein in negativer oder positiver Weise beeinflussen kann, ohne daß wir dem etwas entgegenzusetzen hätten.
Rilkeleser wissen, daß diesem Gefühl durchaus ästhetischer Genuß innewohnen kann:
[...] Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. [...]
(Erste Duineser Elegie, 1912)
Edmund Burke hat in seinem ungemein einflußreichen Werk über das Erhabene und Schöne (Philosophical Enquiry into the Origin of our Ideas of the Sublime and the Beautiful, 1757) darauf hingewiesen, daß das Gefühl des Erhabenen, Verehrungswürdigen untrennbar mit der Macht (dieses als erhaben Empfundenen) über das eigene (des Empfindenden) Leben verbunden ist, und daß der mit diesem Gefühl verbundene mögliche ästhetische Genuß in dem Maße zunimmt, wie die unmittelbare Gefahr für Leib und Leben abnimmt, man z.B. den Ausbruch eines Vulkans aus einer Entfernung betrachtet, in der die Todesgefahr zu vernachlässigen ist. Das gleiche gilt für die heute so beliebten Katastrophenfilme mit ihren immer realitätsnäheren Spezialeffekten.
Während ich also dafür plädieren würde, daß Furcht nicht notwendigerweise negativ sein muß, halte ich Angst für ein als nur negativ empfundenes Gefühl, daß zudem mit einer gewissen physischen Komponente einhergeht, während die Furcht meistens abstrakt bleibt. "Angst" ist mit dem Wort "Enge" verwandt (lat. angustus - eng, schmal) und signalisiert damit eine Bedrängnis, eine Beklemmung (angina pectoris!), also eine Gefahr, die aus dem Hypothetischen ins Faktische getreten und von uns körperlich empfunden wird; das kann bis hin zur Atemnot führen (lat. ango - einengen, würgen, beängstigen, quälen). Natürlich kann man das entwicklungsbiologisch auch wieder positiv sehen, denn diese körperlich empfundene Angst ist ein Auslöser des ggf. lebenrettenden Fluchtreflexes.
Den landläufigen "Schiss" würde ich übrigens mit "Angst" synonym setzen, da er sich ja auf ein weiteres, extremes körperliches Angstsymptom bezieht, nämlich das Versagen des Schließmuskels (solch eine Verschiebung in der Kausalität fällt in der Literaturwissenschaft unter den Begriff der "Metonymie").
irishmason
20.07.2009, 01:12
Was ich vermisse bei der Deutung von Angst und Furcht ist die Kulmination des Ganzen, die Todesangst oder die Angst vor dem Tod, die dann Ehrfurcht und banalen Schiss in den schwarzen Schatten stellen.
Die hatte ich auch überhaupt nicht im Blick. Die Angst vor dem Ende aller Dinge ist so umfassend und groß und durchzieht alle Lebensbereiche usw. - daher würde sie den thread mE auch überfrachten. ?
:)
irishmason
22.07.2009, 11:51
Die hatte ich auch überhaupt nicht im Blick. Die Angst vor dem Ende aller Dinge ist so umfassend und groß und durchzieht alle Lebensbereiche usw. - daher würde sie den thread mE auch überfrachten. ?
:)
Überfrachten nicht gerade, eher überschatten, da wir ja alle mit dieser Angst mehr oder weniger, bewusst oder unbewusst fertig werden müssen.
Wir sind täglich vom Tod umgeben und sollten uns auch täglich im Klaren sein, dass wir endlich sind.
Nur aus diesem Bewusstsein (alles Negative hat auch einen positiven Pol) wurden Ewigkeitswerte geschaffen, die zumindest ein paar Generationen überstanden, nur aus diesem Bewusstsein der Endlichkeit ist es dem Menschen überhaupt möglich sich Ziele zu setzen und etwas zu schaffen.
Die Ägypter hätten keine Pyramiden gebaut, wenn sie nicht den Tod oder Nachtodfragen hätten bewältigen müssen und König Salomon hätte keinen Tempel in Jerusalem errichtet, wenn diese Aufgabe nicht der a) Ehrfurcht vor Jahwe und b) der Erkenntnis seiner eigenen kurzen Lebensspanne auf Erden entsprungen wäre.
...nur aus diesem Bewusstsein der Endlichkeit ist es dem Menschen überhaupt möglich sich Ziele zu setzen und etwas zu schaffen...
Hm, Gevatter Tod ist eine urgewaltige Macht, die mir im innersten all meines Seins tiefsten Respekt abnötigt und vor dem ich vielleicht auch so etwas wie Ehrfurcht empfinde - immerhin nimmt er sie alle; die Guten wie die schlimmsten Massenmörder, die fleischgewordene Erfüllung aller erotischen Träume ebenso, wie den allerekligsten Aussätzigen, den Greis wie auch das kaum geborene Kleinstkind - alle werden von der Sense gefällt. Es schützt weder Reichtum noch Stand - und das bisschen Lebenszeit, dass sich der Sanduhr mit Disziplin, Wissenschaft, Geld usw. abringen lässt, verblasst vor der Ewigkeit als lächerlicher Hauch.
Mag also durchaus sein, dass ich meine Meinung nach tieferer Selbsterforschung noch ändern muss, aber ich denke mir, dass Fortschritt auch schlicht aus sich selbst heraus entsteht, als logische Folge. Bauten oder schicke Autos müssen mE nicht zwingend ein Phallussymbol oder eine Trutzburg wider Freund Hein sein, sondern sind was sie sind und erklären sich aus sich selbst heraus - der Erfinder als Kanal, als Glied einer Kette - so in der Art :)
Gruß, m3we
irishmason
22.07.2009, 18:41
Hm, Gevatter Tod ist eine urgewaltige Macht, die mir im innersten all meines Seins tiefsten Respekt abnötigt und vor dem ich vielleicht auch so etwas wie Ehrfurcht empfinde - immerhin nimmt er sie alle; die Guten wie die schlimmsten Massenmörder, die fleischgewordene Erfüllung aller erotischen Träume ebenso, wie den allerekligsten Aussätzigen, den Greis wie auch das kaum geborene Kleinstkind - alle werden von der Sense gefällt. Es schützt weder Reichtum noch Stand - und das bisschen Lebenszeit, dass sich der Sanduhr mit Disziplin, Wissenschaft, Geld usw. abringen lässt, verblasst vor der Ewigkeit als lächerlicher Hauch.
Wenn man die biologische Tatsache einer Entwicklung von Geburt bis Tod "vermenschlicht", diese biologische Entwicklung also Gevatter oder gar Freund Hein nennt, wird man der Sache Angst und der Dunkelheit, die wir vor uns haben, nicht gerecht. Es trifft alle einmal, richtig, aber der "Freund" ist wahllos, nicht gerecht, nach unserem menschlichen Empfinden, denn er holt Junge, er "mäht" Hungernde dahin, die keine Chance eines Stücke Brot hatten, er nimmt anderen den Partner oder die Eltern. Die biologische Tatsache Tod ist willkürlich und rein zufällig.
Mag also durchaus sein, dass ich meine Meinung nach tieferer Selbsterforschung noch ändern muss, aber ich denke mir, dass Fortschritt auch schlicht aus sich selbst heraus entsteht, als logische Folge. Bauten oder schicke Autos müssen mE nicht zwingend ein Phallussymbol oder eine Trutzburg wider Freund Hein sein, sondern sind was sie sind und erklären sich aus sich selbst heraus - der Erfinder als Kanal, als Glied einer Kette - so in der Art :)
Gruß, m3we
Die genannten Phallussymbole können keine Trutzburg gegen ein Abstraktum sein, das es sich um keine Person handelt, der man trutzen müsste. Diese Symbole sind Götzensymbole des Materialismus und vergehen oder verrosten noch eher als der durchschnittliche Mensch.
Fortschritt ist eine dynamische Kraft, die nötig ist um die Gesellschaft weiterzubringen, also nicht logisch sondern notwendig.
... also nicht logisch sondern notwendig.
Das, lieber Irishmason, habe ich nicht verstanden. Kannst Du das vielleicht kurz erklären?
Liebe Grüße nach Irland,
Candide
irishmason
23.07.2009, 00:04
Das, lieber Irishmason, habe ich nicht verstanden. Kannst Du das vielleicht kurz erklären?
Liebe Grüße nach Irland,
Candide
Lieber Candide, es wurde hier bemerkt: ich zitiere ..."dass Fortschritt auch schlicht aus sich selbst heraus entsteht, als logische Folge. Zitat Ende.
Ich entgegnete:
also nicht logisch sondern notwendig.
Fortschritt entsteht, meiner Meinung nach, nicht aus sich selbst, sondern durch die treibende Kraft, die einen Fortschritt notwendig macht. Dem Menschen ist Fortschritt nicht in die Wiege gelegt, sondern er erkennt in seiner Entwicklung, dass nur das Streben nach Fortschritt ihn weiterbringt, es daher fuer die Entwicklung und das Weiterbestehen der Menschheit notwendig ist, wenn das Rad der Entwicklung sich weiter dreht.
Hrch ... :dizzy: (*an die Stirn patsch*) Bin heute schon den ganzen Tag lang furchtbar langsam im Hirn gewesen ... entschuldige die doofe Nachfrage ...
:sleep:
irishmason
23.07.2009, 09:01
Hrch ... :dizzy: (*an die Stirn patsch*) Bin heute schon den ganzen Tag lang furchtbar langsam im Hirn gewesen ... entschuldige die doofe Nachfrage ...
:sleep:
Lieber Candide, doofe (Nach)fragen gibt es unter uns nicht:D
Wenn man die biologische Tatsache einer Entwicklung von Geburt bis Tod "vermenschlicht", diese biologische Entwicklung also Gevatter oder gar Freund Hein nennt, wird man der Sache Angst und der Dunkelheit, die wir vor uns haben, nicht gerecht. Es trifft alle einmal, richtig, aber der "Freund" ist wahllos, nicht gerecht, nach unserem menschlichen Empfinden, denn er holt Junge, er "mäht" Hungernde dahin, die keine Chance eines Stücke Brot hatten, er nimmt anderen den Partner oder die Eltern. Die biologische Tatsache Tod ist willkürlich und rein zufällig.
Ich habe schon einige Menschen sterben sehn.
Es gibt wirklich schreckliche Arten aus diesem Leben zu scheiden und niemand kann sich aussuchen, wie es ihn erwischt.
Das ist schon ein Grund sich zu fürchten.
Andererseits.... ewiges Leben in dieser unserer Welt ist für mich auch eine Horrorvorstellung.
Mit Beginn unseres Lebens ist unser Körper schon auf das Sterben progamiert.
Da sonst die Meisten unserer Funktionen eher lebenserhaltend sind, vermute ich, daß dieser " Sterbemechanismus"
auch seine guten Seiten hat und dem Leben dient.
Vielleicht nicht individuell, eher allgemein.
Beste Grüße
Kater
BernhardL
24.07.2009, 14:23
Andererseits.... ewiges Leben in dieser unserer Welt ist für mich auch eine Horrorvorstellung.
Da wird immer von der Kunst recht zu sterben gesprochen,
wie sieht es aber mit der Kunst recht zu leben aus?
Ehrfurch, Angst und banalen Schiss, kann man ebenso auch vor dem Leben haben.
Für manche sind die Aufgaben, die das Leben ihnen stellt größer als die Angst vor dem Tod.
Auch ich habe Angst vor dem Tod,
und wenn es sich komisch anhören mag, sie basiert auf dem Gedanken "Man ist weg und bekommt nicht mehr mit wie es mit den Kindern, der Menschheit, der Erde weiter geht."
Ob es ein Leben nach dem Tod gibt weiß ich nicht,
doch ich hab es selbst in der Hand, dass ich ein Leben vor dem Tod habe.
Hier muss ich nicht nur Beobachter sein, ich kann mich auch für meine Familie, meine Mitmenschen, die Umwelt einsetzen ...
Ich kann meine Existenz erleben ... Ich kann LEBEN.
Denn Leben ist mehr als die Erhaltung von Vitalfunktionen.
Liebe Grüße,
Bernhard
irishmason
24.07.2009, 14:36
Wie einer meiner Lieblingsschriftsteller bekundete:
Sogar wenn man nichts mehr vom Leben zu erhoffen hat, bleibt immer noch etwas zu befürchten. Michel Houellebecq
Sicher, wenn man das Glück hat vor dem Finale das eigene Leben weitgehend gestalten zu können, gibt es ein schönes ereignisreiches Leben vor dem Tod, die, die in Favelas leben oder in Kalkutta in der Gosse, oder in irgendeinem Lager, sehnen den Tod herbei.
Dass wir nicht wissen, was nach dem Augenblick des letzten Atemzugs kommt, ist vielleicht auch gut.
Es könnte sonst sein, dass man vor Horror garnichts mehr unternimmt oder aus Vorfreude die Füsse auf den Tisch legt und inaktiv und gleichgültig wird.
Also wird man in der Spannung gehalten.
Ob es ein Leben nach dem Tod gibt weiß ich nicht,
doch ich hab es selbst in der Hand, dass ich ein Leben vor dem Tod habe.
Chapeau, Bernhard! Cela est tres bien dit ... aber ob ich das genauso stehen lassen kann, muß ich mir den Abend lang noch überlegen.
Ein wenig unschlüssig,
Candide
:thinking:
Lieber Berhnard,
Ob es ein Leben nach dem Tod gibt weiß ich nicht, doch ich hab es selbst in der Hand, dass ich ein Leben vor dem Tod habe.
Der Tod ist nicht für schlimm zu achten,
dem ein gutes Leben vorangegangen. (Augustinus)
Ich kann meine Existenz erleben ... Ich kann LEBEN.
Denn Leben ist mehr als die Erhaltung von Vitalfunktionen.
Im Rahmen einer Hospizarbeit habe ich vor Jahren mal an einem Seminar mit dem Thema "Mein Leben hinterlässt Spuren" teilgenommen. Dieses Seminar war eine Bereicherung für mein Leben und ganz eindeutig ist LEBEN für mich mehr als die Erhaltung von Vitalfunktionen.
Herzl. Grüße
Günter
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