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Vollständige Version anzeigen : Noch einmal - mit Gefühl...



m3we
17.06.2009, 10:54
Diese Überschrift soll nicht auf etwas bestimmtes verweisen, sondern einfach nur auf diese alte Redewendung.

Ein Würfel ist ein Würfel ist ein Würfel... Wenn ich aber z.B. die "1" als beglückend empfinde, strahlt mich der erblickte Würfel voller Wärme an, während es bei einer sehr negativen Verknüpfung bestimmt nicht so wäre.
Ein Fakt, eine nackte Tatsache als solche ist wertfrei. Zusammen mit anderen Tatsachen kommt man zu logischen Folgerungen, aus denen sich wiederum Ergebnisse/ Tatsachen ergeben usw. usf.
Diese Logik erscheint oft kalt und feindlich - warum? Sind Gefühle Fallen, die von einer steten Entwicklung abhalten? Ich bin versucht dazu "Ja!" zu sagen, andererseits zeigen sie alleine schon durch ihre machtvolle Existenz in mir, dass sie einen echten Sinn haben könnten - warum sollte es sie sonst geben?

Soweit mein Einstieg in eine hoffentlich fruchtbare Betrachtung des "Gefühls" i.w.S.
Würde mich über Input freuen :)
Gruß, m3we

Temporär
17.06.2009, 12:15
Das menschliche Gehirn verknüpft komprimierte Wahrnehmungsmuster der Sinne mit den damit verbundenen emotionalen Erfahrungen.
So ensteht ein gutes oder schlechtes Gefühl beim genannten Würfeln einer 1.
Beispiel sei nun hier die gespeicherte Erfahrung des Spiels "Mensch-Ärgere-Dich-nicht" bei dem die gewürfelte "1" bedeutet, daß man nicht recht vorwärts kommt und daher emotional negativ belastet ist. Das ist nur eine Möglichkeit von Vielen.

Wenn man sich dieses menschlichen Verhaltensmusters bewusst ist, kann man seine eigenen Emotionen und Reaktionen viel besser verstehen und vielleicht sogar ein wenig zum Besseren beeinflussen ;)
Wenn man also durch eine eigentlich wertneutrale Wahrnehmung emotional beeinflusst wird, lohnt sich das Forschen in den Erinnerungen und Erfahrungen.

Erkenne Dich selbst ! :yes:

Temporär

BernhardL
17.06.2009, 12:51
Diese Logik erscheint oft kalt und feindlich - warum? Sind Gefühle Fallen, die von einer steten Entwicklung abhalten?

Die wichtigsten Entscheidungen im Leben trifft der Mensch aus einem Gefühl heraus, selten aus kalter Logik.

Liebe Grüße,
BernhardL

m3we
19.06.2009, 12:41
+++Zwischeninputdankeschön :)+++

@Temporär:
"Erkenne dich selbst" - unter den Gefühlen - oder mit all den Leidenschaften? Sich in Gänze erkennen, heißt ja auch den logisch-naturwissenschaftlichen Bioroboter unter dem Emotionalkörper zu sehen.
Bin ich mit Gefühlen oder erst nach Abscheidung derselben wirklich?

@BernhardL:
Genauso ist es - aber eigentlich liest sich/ ist das doch ganz schön gruselig, nicht wahr.?

Soweit erst einmal,
Gruß, m3we

irishmason
19.06.2009, 14:59
Γνῶθι σεαυτόν Gnothi seauton?

Kann man sich denn objektiv selbst erkennen, oder sieht man nur was man sehen und erkennen will.? Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, übersehe ich ja auch den Pickel oder die Falte.


Die Forderung, sich selbst zu erkennen, zielt auf den Versuch der Einsicht in die eigene Unvollkommenheit, einmal das Gute in sich zu erkennen und dies auszubauen und auch das Schlechte um es zu vermeiden oder sich zu ändern.

In der griechischen Klassik findet sich die Deutung, dass sich der Mensch bewusst sein solle, sterblich, unvollkommen und begrenzt zu sein.
Dem kann ich folgen und sehe diese Selbsterkenntnis auch nur so.

Auch die Meinung von Platon, dass der Mensch Wissen um das eigene Nichtwissen erlangen sollte.
Eigentlich dadurch bescheiden zu werden.

Das Ergebnis erstreckt sich dann auch auf die Gefühle, indem man sich selbst erkennen will oder erkennt, kann man den Mitmenschen in einem anderen Licht sehen und auch besser auf ihn eingehen ohne nur egozentrisch zu sein.

BernhardL
20.06.2009, 13:57
Man nehme etwa die „Liebe“ als das höchste aller Gefühle, und Grund zur Eheschliessung. Man schaue sich in Wahrheit die Gefühlslügen an (Scheidungsrate). Das Gefühl ist also die niedrigste Form der Erkenntnis, und als Instanz für die wichtigsten Entscheidungen im Leben der schlechteste Ratgeber.


Ein ganz schön dünnes Eis auf dem Sie Ihre Argumentation aufbauen..
Wie viele rational getroffene Entscheidungen erwiesen sich schon als falsch, wie sieht die Scheidungsrate bei Vernunftehen aus? Haben Sie hier Zahlen?

... und ebenso folgte der Zeit der Aufklärung, mit dem Wissen der Aufklärung, die Zeit der Romantik.
Wissend, dass eine rein rationale Welt, die schlimmste Form von Dummheit ist.

irishmason
20.06.2009, 16:32
Die Begriffe Gefühl oder Emotion sind ja sehr oft zu hören.
Es sind daher für mich sehr inflationäre Begriffe, die etwas umschreiben sollen, dass nicht definierbar ist.
Neuerdings vernimmt man auch den Begriff der "gefühlten" Temperatur: Temperatur 14 Grad, gefühlt 13 Grad.

Fühlen kann man mit den Fingerspitzen, wobei es dann auch um die Beschaffenheit der Finger geht. Die einen haben eine dünne Haut, andere Schwielen.

Temporär
20.06.2009, 19:12
Gefühle sind die schnellste und einfachste Art zu einer spezifischen Situation eine Bewertung und nötigenfalls eine Entscheidung zu treffen. Das ist dann die berühmte Entscheidung "aus dem Bauch heraus".
Besteht dagegen die Möglichkeit alles genau zu überdenken und vielleicht weitere Erkenntnisse zur Situation auszuwerten, kann eine mehr "rationale" Entscheidung getroffen werden.
Hierbei können dann auch verschiedene intellektuelle analytische Methoden zum Einsatz kommen.
Genau genommen geben beide Varianten keine Garantie für die Richtigkeit der getroffenen Entscheidung, wenn die Analyse schlichtweg falsch wahr, sowohl emotional als auch rational.

Die verstärkte Nutzung des Verstandes vor dem Treffen einer Entscheidung ist der wesentliche Unterschied des Menschen zu einfacheren Lebensformen und hat die menschliche Evolution bis heute voran getrieben.

Temporär

BernhardL
21.06.2009, 12:28
Emotionale Intelligenz, Intuition ... Begriffe so scheint es mir, mit denen der Intellekt verzweifelt versucht, die in sich selbst spürende tiefe Macht der Gefühle als Randbedingung der Ratio zu definieren.

Wieso ist dies so? Ist Menschsein wirklich nur auf das reduziert was der Kopf registriert. Sind Gefühle für die menschliche Existenz nicht erwähnenswert, oder schämen wir uns einfach nur dieser? Ist der Intellekt einfach nur verklemmt?
Evtl. hat dieser einfach auch nur Angst, dass ihm der Hauch des Intellektuellen genommen würde. Denn als Produkt der Aufklärung definiert der Intellekt unser Ich , vielmehr über den Kopf als über das Herz.

Unsere Gesellschaft hat ein fast schon krankhaftes Verhältnis zum Privaten, zum Intimen. Der Intellekt tabuisiert Gefühle in einem Maß, dass man fürchten muss, sie seien ein Hort der Asozialität. Wenn der Intellekt aber seine Gefühle nicht mehr ausdrücken kann, dann kann er auch kein Gespräch mehr führen und begegnet niemanden mehr.

Ratio und Emotio sind keine Gegenspieler, sondern bilden gemeinsam mit der Transzendenz des Selbst als Trinität die Basis unserer Entscheidungen.
Insofern sind selbst rationalste Entscheidungen nicht frei von Gefühl und unserem Selbst.

Nicht das Eine über dem Anderen, sondern gemeinsam und gleichberechtigt gehören Sie Nebeneinander.

Gefühl und die Transzendenz unseres Selbst aus Entscheidungen herausdiskutieren zu wollen, nimmt bei dem ein oder anderen fast schon pathologische Züge, bis hin zur Selbstverleugnung an.

Gefangen im Vorurteil gegenüber dem Vorurteil.
Gefangen in der zwanghaften Verleugnung unseres "Gesamt-Selbst", wird Irrweg um Irrweg beschritten um ein Selbst zu finden und zu rechtfertigen was es so nicht gibt.

Liebe Grüße,
Bernhard

irishmason
21.06.2009, 15:18
Emotionale Intelligenz, Intuition ... Begriffe so scheint es mir, mit denen der Intellekt verzweifelt versucht, die in sich selbst spürende tiefe Macht der Gefühle als Randbedingung der Ratio zu definieren.
.......
Evtl. hat dieser einfach auch nur Angst, dass ihm der Hauch des Intellektuellen genommen würde. Denn als Produkt der Aufklärung definiert der Intellekt unser Ich , vielmehr über den Kopf als über das Herz.
.......
Wenn der Intellekt aber seine Gefühle nicht mehr ausdrücken kann, dann kann er auch kein Gespräch mehr führen und begegnet niemanden mehr.

Ratio und Emotio sind keine Gegenspieler, sondern bilden gemeinsam mit der Transzendenz des Selbst als Trinität die Basis unserer Entscheidungen.
Insofern sind selbst rationalste Entscheidungen nicht frei von Gefühl und unserem Selbst.

Nicht das Eine über dem Anderen, sondern gemeinsam und gleichberechtigt gehören Sie Nebeneinander.

Bernhard

Lieber Bernhard,
da ich ja oft (leider "gefuehlsbetont") reagiere, hat mir schon oft ein Bruder gesagt: "erst Hirn einschalten".

Ich teile in Teilen Deine Ansicht, muss aber widersprechen, wenn dem "Gefuehl" zuviel Bedeutung beigemessen wird.
Ich wuerde gerne mehr mit Intellekt (so vorhanden) und Ratio oder, in anderen Worten, guter Analyse und bedachter Ueberlegung an ein Problem herangehen und die "Gefuehlswallungen" unterdruecken oder unberuecksichtig lassen.
Ratio und Emotio sind keine Gegenspieler, richtig, aber sie behindern sich staendig. Es kommt mir oft so vor, wie auf meinem Computer wenn 2 Virusprogramme aktiviert sind und sich gegenseitig hemmen.
Gleichberechtigt eher nicht nach meiner Meinung. Ratio und klares Denken und Analyse finde ich eher (und ich spreche da nur fuer mich) angebracht, bevor man seinen "Gefuehlen" freien Lauf laesst.

Hans-Dieter Bertuch
21.06.2009, 17:14
...mehr mit ... bedachter Ueberlegung an ein Problem herangehen ... bevor man seinen "Gefuehlen" freien Lauf laesst.

... ich habe die Aussage von Irishmason - in meinen Sinn - "zusammengeschnitten" :rofl:

... denn SO sehe ICH es ;). Nachdem mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen wurde, daß über 92% aller Entscheidungen "gefühlsmäßig" begründet sind, sollte man sich durchaus damit beschäftigen.

Gefühl zu haben, fühlen, anfühlen, einfühlen ist nicht immer spontan. Und es ist eine wichtige Eigenschaft, die uns auch dazu bewegen kann, eine - auf den ersten Blick rationale - Entscheidung NICHT zu treffen.

Und wer "gefühllos" gegenüber seinen Mitmenschen ist, hat seine "Arbeit" sicherlich "nur halb getan"

Resonator
21.06.2009, 18:54
Intuition wurde leider bisher nur am Rande als mögliches Hauptelement zur "Entscheidungsfindung" angesprochen!
Ist es nicht genau diese Ebene auf welcher auch die Rituale arbeiten?
Eben das unbewusste als rational nicht direkt fassbar und doch von hoher Intelligenz.

Gruß Andreas

BernhardL
22.06.2009, 08:32
Hallo,

ich will meine Ansicht noch einmal kurz verdeutlichen.

Ich sehe ein Kräftedreieck zwischen Ratio, Emotio und das was ich unser Selbst nenne. Je nach Situation erfolgen unsere Entscheidungen mehr in Richtung der einen oder anderen Kraft. Doch nie gänzlich ohne die anderen.

So halten unser Selbst und unsere Emotio unsere Ratio im Rahmen,
unsere Ratio und unser Selbst sorgen dafür dass unsere Emotionen nicht aus dem Ruder laufen
und Ratio mit Emotio kontrollieren schließlich unserSelbst.

Eine gefühlsbetonte Handlung kann die herzloseste sein die wir treffen können,
ebenso wie eine rationale Entscheidung das Dümmste sein kann was möglich ist, so kann gerade aus einer kontrolliert bewussten selbstlosen Handlung unser Selbst gestärkt hervorgehen.

Dies sollten wir uns meiner Meinung nach vor Augen halten. Einen der drei Parameter zu verleugnen, würde bedeuten zu versuchen, seine Pläne und Entscheidungen an einem Zweibeinigen Tisch darlegen zu wollen.

Liebe Grüße,
Bernhard

Kater
26.06.2009, 09:40
"O ein Gott ist der Mensch,
wenn er träumt,
ein Bettler, wenn er nachdenkt,
und wenn die Begeisterung hin ist,
steht er da,
wie ein mißratener Sohn,
den der Vater aus dem Hause stieß,
und betrachtet die ärmlichen Pfennige,
die ihm das Mitleid auf den Weg gab.

Was ist alles,
was in Jahrtausenden
die Menschen taten und dachten,
gegen Einen Augenblick der Liebe?
Es ist aber auch das Gelungenste,
Göttlichschönste
in der Natur!
dahin führen alle Stufen
auf der Schwelle des Lebens.
Daher kommen wir, dahin gehn wir.

Ja! eine Sonne ist der Mensch,
allsehend, allverklärend, wenn er liebt,
und liebt er nicht,
so ist er eine dunkle Wohnung,
wo ein rauchend Lämpchen brennt.

Wer nur mit ganzer Seele wirkt,
irrt nie.
Er bedarf des Klügelns nicht,
denn keine Macht ist wider ihn."

Hölderlin (Hyperion)

Liebe Grüße
Kater

m3we
13.07.2009, 21:44
Ein Gruß den Thread´lern :)

Ist nicht so, dass ich nicht all die verschiedenen Beiträge wahrgenommen hätte - habe einfach nur keinen Zwischenstandsstand. Es ist thematisch echt ein Riesenfaß und mal gucken, wann ich all den Input mit eingewoben, verdaut usw. habe.

Danke fürs Mitmachen!
m3we