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Vollständige Version anzeigen : Die Symbole in der Freimaurerei



Kater
05.06.2009, 10:12
Diese Frage ist bitte im Rahmen einer historischen Entwicklung zu verstehen.

Gab es in der Freimaurerei von Anfang an die selben Symbole, die gleiche Anzahl,
und die gleiche Bedeutung der Symbole wie heute?

Wurde von Anfang an mit den Symbolen so gearbeitet wie Heute, oder hat sich das Verständnis und die Praxis erst nach und nach entwickelt.

Wenn ja, wie ?


Beste Grüße
Kater

Bytewurm
05.06.2009, 12:59
Gab es in der Freimaurerei von Anfang an die selben Symbole, die gleiche Anzahl, und die gleiche Bedeutung der Symbole wie heute?

Das wird kaum jemand wirklich präzise beantworten können. Und ich kann auch nur meine Sicht dazu aus der Bauhüttentradition der humanitären Freimaurerei beisteuern (die christliche Ordensfreimaurerei hat andere Herleitungen) .

Zu Zeiten der operativen Maurerei war die Baustelle einer Kathedrale ein gefährlicher Ort, Unfälle an der Tagesordnung. Um Unfälle soweit wie möglich zu vermeiden, wurden nach und nach Verhaltensregeln aufgestellt, die nicht nur durch Einhalten eine gewisse Sicherheit garantierten, sondern das daraus auch resultierende Vertrauen untereinander stärkte, weil auch Regeln für den Umgang miteinander einflossen. So entstand mit der Zeit ein Verhaltenskodex, der Hunderte von Regeln und Empfehlungen enthielt. Man spricht hier vom sog. "Steinmetzgrund".

In den Bauhütten waren auch viele Arbeiter am Bau, die weder schreiben noch lesen konnten. Man hatte also ein didaktisches Problem zu lösen: Wie vermittelt man jemandem, der die Regeln nicht lesen kann, was er zu beachten hat?

Es konnte also nur durch regelmäßig Wiederholung der Belehrung (= Ritual) in mündlicher Form erfolgen. Doch das alleine genügt nicht. Um Hunderte von Regeln zu behalten, bedarf es, die Regeln mit dafür geeigneten Symbolen kenntlich zu machen. Was bot sich hier besser an, als die den Arbeitern vertrauten Werkzeuge als Symbolquelle herzunehmen?

Für das "regelgerechte" Handeln bot sich der rechte Winkel an (er steht uns heute mit seinen Schnekeln für Recht und Gerechtigkeit). Das Verbindende unter Menschen ist gut mit der Kelle darstellbar, verbindet sie mit Mörtel doch die Steine in der Mauer, wie die Liebe zum Nächsten Menschen verbindet. Der Spitzhammer am rauen Stein ist gut geeignet als Hinweis, sich selbst zu zähmen, den eigenen Charakter zu formen. Die Messkette mit ihren verbundenen Gliedern symbolisiert gut den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Zeichen, Wort und Griff waren wichtig, um reisenden Arbeitern entsprechend ihres Ausbildsungsstandes den rechten Lohn zu zahlen.

Ständige gleichmäßige Wiederholung und die Verknüpfung der Regeln mit Symbolen waren also wirkungsvolle Maßnahmen, die Arbeit am Bau sicher zu organisieren.

Übrigens, Gedächtnisgenies die sich lange Zahlenreihen merken können, arbeiten genau so. Für jede Zahl von 0 bis 9 definieren sie, z.B. in ihrem Wohnzimmer, einen vertrauten Gegenstand, also eine Symbol für die Zahl. Wenn sie sich also lange Zahlen einprägen, dann gehen sie in Gedanken in ihrem Wohnzimmer herum, und so entsprechend der jeweiligen Ziffer von Gegenstand zu Gegenstand. Am Ende merken sie sich nicht die Zahl, sondern den zurückgelegten Weg im Wohnzimmer.

Mit dem Übergang von der operativen zur spekulativen Maurerei, als die Arbeiter immer weniger, und die an dem freien Geist und der freien Rede in der Bauhütte interessierten angenommenen Maurer immer mehr wurden, trat der geordnete Unfallschutz in den Hintergrund, ethische Verhaltensempfehlungen dafür nach vorne.

Das sieht so

Der Bytewurm

Kater
05.06.2009, 14:09
Vielen Dank!
Ihre Erklärung ist ein sehr schöner, gut nachvollziehbarer Einstieg in das Thema.
Auch ich vermute, daß es gar nicht so einfach sein wird mehr darüber zu erfahren.

Wäre es möglich das die Forschungsloge Quatuor Coronati das Thema bearbeitet hat?

Wenn ich es richtig verstehe werden dort bestimmte Ergebnisse nur für die Freimaurer publiziert, andere Publikationen sind durchaus für die Öffentlichkeit gedacht.

Vielleicht habe ich ja Glück?????

Beste Grüße
Kater

Jens Rusch
21.11.2009, 18:48
In der Tat, lieber Bytewurm, eine wunderbar nachvollziehbare Definition.

Es gibt in einem Buch von Alfried Lehner, dessen Titel ich gerade nicht finde, eine schlüssige Abhandlung, wie Symbolik in die Entwicklung des Menschen Einzug hielt und kognitiv wirksamer war, als die menschliche Sprache in ihrem Ursprung. Einiges im Umgang mit freimaurerischer Symbolik scheint mir auch in diesem Zusammenhang sinnvoll.

Entwicklungsgeschichtlich hat es in der freimaurerischen Symbolik schon durch die baumartige Entfaltung unterschiedlicher Leerarten durchaus kleinere Veränderungen gegeben. Auch durch Ritualreformen, ich denke nur an den Dialog Herders mit Friedrich Ludwig Schröder.

Und irgendwie war das ja auch immer schon so. Auf der Vielvölkerarbeitsstätte "Pyramidenbau" entwickelten sich die Hieroglyphen - und machten Dolmetscher weitgehend entbehrlich. Ähnlich ist es heute mit Pictogrammen auf internationalen Airports.

Gerade die Arbeit mit universeller Symbolik macht ja die Freimaurerei absolut kosmopolitisch.

JoergHH
22.11.2009, 19:37
Und ich kann auch nur meine Sicht dazu aus der Bauhüttentradition der humanitären Freimaurerei beisteuern (die christliche Ordensfreimaurerei hat andere Herleitungen).Nur, damit keine Missverständnisse aufkommen:

Die christlich geprägte Freimaurerei ist nicht wenig humanitär als alle anderen Freimaurereien.

Bytewurms Darlegungen bezogen sich eher auf die humanistische Freimaurerei (siehe Unterschied Humanismus - Humanität).

BigBalou
26.11.2009, 19:16
Die offenliegenden Inhalte der Freimaurerei, sei es nun die französische, die schottische, die englische, die deutsche oder andere, gewähren durch die Jahrhunderte unzählige Wege des Zugangs zu den Inhalten der Freimaurerei. Da diese Inhalte über das profane Äussere hinausgehen, fehlen in der Regel die Worte um sie unmittelbar zu fassen. Dies lädt zu Deutungen, Anknüpfungen und Konstruktionen durch Menschen ein. Entsprechend viele gibt es.

Es sind und bleiben aber Zugänge vielerlei Art und Gestalt zur Freimaurerei. Wer sich hier bis in Kleinste mit einer Definition bemühen will, bleibt auf dem Weg zur FM stecken. Je mehr man untersucht, desto mehr findet man.

Ein Freimaurer, der ins Innere gelangt ist, schaut auf diesen Weg lächelnd und gelassen zurück.

Egal welchen Weg er gekommen ist, es zählt, das er durch seinen tätigen Fortschritt bis in das Arkanum gelangt ist. Dort erschliessen sich ihm neue Aufgaben, die diese profanen Anschauungen weit hinter sich lassen.

Und das meint: "Suchender". Ein Mensch, der nach dem Licht strebt. Und der sich nicht von Äusserlichkeiten blenden lässt.

Aber das ist nur meine Sicht der Dinge (qed).
Bernd

Peter
26.11.2009, 20:42
Ich kann Ihnen da TAU II/2007 empfehlen. Es gibt dort eine kurze Einführung in den Beginn der organisierten Freimaurerei.

Mit herzlichen Grüßen

Peter

klara
27.11.2009, 01:36
Die hohe Zahl biblischer Symbole, hebräischer Worte und Bezeichnungen, Formeln und heiligen Zahlen, die alle Rituale der Freimaurer enthalten, verraten deutlich die schöpferische Mitarbeit geistlicher Kreise bei den alten Bauhüttenbräuchen. Schmarrn. Dieser Kokolores ist später, durch die Rosenkreuzer, dazu gekommen.


Hebräische Worte im Siegel einzelner Logen und Grosslogen verweisen zudem auf jene Zeit da sich die Werkmaurer im Symbol als Nachfahren salomonischer Werkgenossen betrachteten.Schmarrn. Sie verweisen lediglich auf die immense Phantasie der freimaurerischen Siegelmacher; es hat mit der operativen Maurerei nichts am Hut.

klara
27.11.2009, 13:03
und was soll dieser Pflichtstück? Ich habe "schmarrn" zur pseudohistorischen Methode gesagt: Schlüsse ziehen aus heutiger Sicht auf Grund der mangelden historischen Kenntnisse.
Freimaurerische Symbolik ist am wenigsten aus den Bahütten gekommen. Und - die moderne Freimaurerei ist im Umfeld von Royal Society entstanden, unter starkem Einfluß der älteren (deutschen) Rosenkreuzer.

Bytewurm
27.11.2009, 13:21
Und eben so steht es bei der AFAM geschrieben, wie es sinngemäss überall auf der Welt wo es Freimaurer gibt geschrieben steht. Atheisten mögen zwar das ethisches Minimum gewahren (s.o.), haben aber in der Maurerei nicht das Wort.


Ja, und was bitte hat das mit Klaras Hinweisen zu tun? Mit Ausnahmen sind fast alle frm. Rituale eklektischen Inhalts, also Fleckerlteppiche. Und, da hat Klara eben recht, dass viele Puzzlesteine z.B. über die Rosenkreuzerei und vor allem auch über die Modeerscheinung der "Strikten Observanz" Eingang fanden.

Es ist ein Problem, das man Nichtfreimaurern einfach nicht erklären kann, allenfalls soweit: Die Symbolik enthält nicht a priori einen unveränderlichen Lehrinhalt an sich und die Zusammensetzung der Symbolik ist auch Neben- und Geschmackssache (viele Symbole der chrsitlichen FM gibt es in der humanitären gar nicht und umgekehrt und unsere, aus dem Monismus stammenden sind noch einmal völlig anders zusammengestellt).

Alles zusammen soll den Freimaurer zu eigenen Gedankenflügen bringen. Wenn 10 Freimaurer nebeneinander in der Loge sitzen und dem Ritualtrialog lauschen, laufen gleichzeitig 10 völlig unterschiedliche Kopfkinofilme ab, und genau das ist auch so gewollt.

Bytewurm

Loewenstein
07.12.2009, 02:12
Die hohe Zahl biblischer Symbole, hebräischer Worte und Bezeichnungen, Formeln und heiligen Zahlen, die alle Rituale der Freimaurer enthalten, verraten deutlich die schöpferische Mitarbeit geistlicher Kreise bei den alten Bauhüttenbräuchen.
Mit Verlaub – das ist dummes Zeug!
1) Im 18./19. Jh. – der formativen Phase der modernen Freimaurerei – hatte jeder gymnasial Gebildete Hebräisch gelernt und kannte die biblischen Traditionen (wie z. B. Wieland, der ein ganzes Gedicht über ein einzelnes Phänomen der hebräischen Grammatik hat schreiben können!), das hat absolut nichts mit 'gelstlichen Kreisen' zu tun. Damals gehörte Kenntnis der hebräischen Elementargrammatik und dergleichen einfach zur höheren Allgemeinbildung, mehr nicht.
2.) Im 18./19. Jh. war die 'biblische' Tradition des Altertums das Älteste, dessen man habhaft werden konnte. Ist das eigentlich uns Heutigen in seiner ganzen Konsequenz noch klar?
Kein Rosetta-Stein und Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen (ertst 1822)!
Keine Entzifferung der babylonisch-assyrischen Altertümer (erst ab 1857)!
Keine Ahnung davon, daß es ältere als die biblische Sintflutlegende gab (erst ab 1875)!
Keine Kenntnis der hethitischen, altanatolisch-luwischen, alt-phönizischen, alt-aramäischen und ugaritischen (ab 30er Jahre 20. Jh.) Überlieferungen des Alten Orients, die alle erst im spätern 19. (Phönizisch) bzw. im 20. Jh. (die anderen) erschlossen wurden!
Wer im 18./19. Jh. sich in die Alte Welt vertiefen wollte, musste notgedrungen zu den Klassikern greifen, das heißt zu Thukydides, zu Homer, zu Plinius, zu Vergil und anderen (und konnte diese selbstverständlich, gymnasiale Bildung vorausgesetzt, mindestens teilweise in der Originalsprache auswendig), und wer hier den Orient wollte, musste sich wiederum auf Homer und wenige andere griechische Schriftsteller, z.B. auf Eusebius von Caesarea, verlassen, oder … auf die Bibel!
Anderes war nicht!

Hinreichend Hebräisch, um ein freimaurerisches Gedankengut darin zu verstecken, konnte im 18. Jh. jeder Gymnasiast! Nur heute zittern ahnungslose Laien vor den vermeintlich geheimen Buchstaben des Hebräischen so, daß ihnen jeder halbgebildete Depp das Blaue vom Himmel darüber hinunterlügen kann und dabei noch für eindrucksvoll gebildet gehalten wird von denen, die ein ד oder ח nicht von einem ר oder ה und ein ו nicht von einem ר unterscheiden können.
… Was man leider heutzutage reichlich findet, wenn gebildet sich dünkende Zeitgenossen Belehrungen darüber ausscheiden, wie z.B. der hebräische Gottesname geschrieben werde (und sich dabei peinlich verschreiben).


Die hohe Zahl biblischer Symbole, hebräischer Worte und Bezeichnungen, Formeln und heiligen Zahlenetc. ist also nichts weiter als der Reflex einer einst soliden Allgemeinbildung, deren Verlust ausgerechnet 'die Stimme…' so gerne beklagt. Dumm gelaufen - aber ein Einfluß geistlicher Kreise spielt dabei die geringste Rolle.
Rather, it's just education!
Und das war im 18./19. Jh. nun einmal Latein, Griechisch (und Französisch … [nicht Englisch damals])


.L.

Bytewurm
07.12.2009, 10:41
Um kurz auf Ihre öffentliche Frage von anderswo her einzugehen, so ist meine Mutterloge die „Freundschaft und Beständigkeit“ i.O. Basel, und bin in weiterer Folge Gründungsmitglied der Loge „Zu den 7 Rosen“ ebenda, derer MvSt. ich vor Zeiten sein durfte. Nehmen Sie’s bitte gelassen.

Hm... irritierend ... wird dort so miteinander diskutiert, wie Sie das hier tun? Wir haben ja eine Tochterloge in Zürich, dort jedenfalls habe ich anderes aus der Schweiz in Erinnerung. Woran sollte man also erkennen, dass Sie Freimaurer sind?

Gruß0

Bytewurm

Candide
07.12.2009, 11:31
Irritierend, in der Tat, Bytewurm --

zumal, sollten Sie, "Stimme", tatsächlich, wie Sie vorgeben, ein Bruder Freimaurer sein, ich mir folgende drei Fragen stelle:
1. Warum kommen Sie mit dieser Enthüllung erst jetzt, nachdem Sie mehrfach dazu aufgefordert worden sind, Ihre als autoritativ daherkommenden Aussagen über die Maurerei zu legitimieren, indem Sie sich den Brüdern -- sollten Sie tatsächlich ein Bruder Freimaurer sein -- als Bruder zu erkennen geben? Halten Sie dergleichen prolongiertes Versteckspiel für brüderlich?
2. Halten Sie den Ton, mit dem Sie in diesem Forum -- sollten Sie tatsächlich ein Bruder Freimaurer sein -- Ihre Brüder haben auflaufen lassen, für brüderlich?
3. Glauben Sie wirklich, daß Sie mit dieser Komödie dem -- sollten Sie tatsächlich ein Bruder Freimaurer sein –- gemeinsamen großen Werk und dem Ansehen der Bruderschaft zum Guten gedient haben? Halten Sie das etwa für brüderlich?

Es gibt Brr:. mit denen in der weltweiten Bruderkette zu stehen mir viel Selbstbeherrschung abverlangt.

BernhardL
07.12.2009, 15:59
Liebe Stimme aus der Menge,

nun mag es evtl. ärgerlich sein, wenn man nicht auf Grund des eigenen Verhaltens als Bruder erkannt wird.

Man sollte sich aber nicht ärgern wie ein Kind dessen Kartenhaus einstürzt, weil ein Erwachsener den Tisch rückt. Das Kartenhaus ist doch nicht eingestürzt, weil der Tisch gerückt wurde, sondern weil es ein Kartenhaus war.

Ein wirkliches Haus stürzt nicht ein, selbst wenn der Tisch zu Brennholz zerhackt wird, es braucht eigentlich überhaupt kein fremdes Fundament.

Viele Grüße,
Bernhard

Hans-Dieter Bertuch
07.12.2009, 16:51
Genug ist genug (http://www.koenigliche-kunst.de/showthread.php?t=514)- durch ständiges Wiederholen werden die Einsichten nicht tiefer